Wien. Der griechische Gott Apoll wurde angeblich unter einer Palme geboren. Und auch die ägyptische Göttin der Ewigkeit und Jugend, Renpet, schmückte sich gerne mit den grünen Zweigen. Dass der Baum bis heute in vielen Ländern weltweit als Symbol der Unabhängigkeit und des Sieges verehrt wird, hat nicht zuletzt auch mit dem Christentum zu tun.

Im Feiertagskanon der katholischen Kirche ist der Palmsonntag als "Dominica in Palmis de Passione Domini" angeführt, die Evangelischen bezeichnen das Fest am letzten Fastensonntag bescheiden "Palmarum". Gefeiert wird dieses Wochenende in beiden Glaubensgemeinschaften aber dasselbe Ereignis: der Einzug Jesu Christi in Jerusalem. Und zumal es sich bei dem Mann, der da auf einem Esel in die Stadt geritten kam, um den Gottessohn handelte, streuten die Menschen dem Heiland unter Hosianna-Rufen eben Palmenzweige. In dieser biblischen Tradition stehen auch die Feiern zum Palmsonntag in Österreich, wobei man sich hier bereits im Mittelalter zu helfen wusste und anstatt echter Palmenzweige Wedel aus Weidenkätzchen, die auch als Palmkätzchen bezeichnet werden, bei der Prozession mitführte. Heute werden die von den Gläubigen mitgebrachten, meist liebevoll gebundenen Sträuße vom Pfarrer gesegnet und nach Abschluss der Messfeier als "Zeichen des Lebens" mit nach Hause genommen.

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Nun sind Palmkätzchen, die ihren Namen aufgrund ihres Pelzes erhalten haben, nicht nur bei den palmsonntäglichen Kirchgängern beliebt. Um die eigenen vier Wände zu den Osterfeiertagen freundlich schmücken zu können, begeben sich im Frühjahr auch immer mehr Nicht-Gläubige auf die Suche nach den begehrten Weiden - mit unabsehbaren Folgen für Natur und Fauna.

Weidenbestand im Wienerwald gefährdet

Zu jenen, die das flächendeckende Abernten von Palmzweigen vor der Karwoche ablehnen, zählt der Präsident des Wiener Imkerbundes, Ernst Wilhelm. Denn was viele nicht wissen: "Die Palmkatzerl sind ein sehr gutes Futter für die Bienen, wenn man von denen zuviel wegschneidet, dann geht das den Tieren ab", erklärt er im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Demnach seien die Bienen gerade in der Zeit nach dem Winter auf die üppigen Pollen der Salweiden angewiesen. Besonders stört den Imker, wenn dann ganze Büschel junger Kätzchensprossen von unachtsamen Spaziergängern abgerissen und mit nach Hause genommen werden.

Die Frage, ob für die Bienenvölker deswegen Gefahr besteht, verneint Wilhelm. Gleichzeitig betont er aber, dass es in manchen Gegenden Österreichs schon einen Mangel an Palmkätzchen gebe. Besonders schlimm sei die Situation etwa im Wienerwald. "Für den Rückgang sind nicht nur die Wiener, sondern auch die Forstarbeiter verantwortlich", meint der Imker, weil diese bei Abholzungsarbeiten nicht auf die jungen Weidensträucher achten und den Bestand gefährden würden.

Geht es nach der Kirche, müssen es ohnehin nicht nur Zweige der Salweide sein. Zumal der traditionelle Palmbesen oder Palmbusch, der im Zuge der Feiern am Palmsonntag vom Priester gesegnet wird, aus bis zu sieben Naturmaterialien - darunter Eibe, Wacholder, Buchsbaum, Stechpalme, Sadebaum und Zeder - bestehen kann. Oft werden die Palmstöcke zusätzlich mit Früchten, Bändern und Brezeln geschmückt.

Palmzweige als Schutz gegen Hagel und Blitzschlag

Darüber hinaus stellen viele Pfarren auch Palmbuschen und Palmzweige für die Messbesucher zur Verfügung. Um den hohen Bedarf an Weiden vor der Osterzeit abzudecken, werden die Kätzchen von (oft städtischen) Gärtnereibetrieben gezüchtet und verkauft.

Dabei dürfte die Nachfrage bei den Gläubigen früher noch größer gewesen sein, zumal den Zweigen magische Kräfte und Wirkungen zugeschrieben wurden. Bei einem Gewitter ins Feuer geworfen, boten Palmzweige Schutz vor Hagel und Blitzschlag. Auch waren sie in Weihwasserkesseln auf Friedhöfen zu finden. Heute noch führt manch einer gesegnete Palmbuschen im Auto mit oder legt sie Verstorbenen in den Sarg: als Symbol für das Leben und Zeichen des Sieges über den Tod.

Bienensterben - Seite 17