• vom 05.03.2014, 18:00 Uhr

Papst

Update: 07.03.2014, 15:47 Uhr

Vatikan

Der Papst will geduldige Bischöfe




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Von Heiner Boberski

  • Religion im Blick
  • Franziskus lässt Grundzüge seiner Personalauswahl erkennen.

Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und Buchautor (2013 schrieb er mit Josef Bruckmoser das Buch "Weltmacht oder Auslaufmodell - Religionen im 21. Jahrhundert").

Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und Buchautor (2013 schrieb er mit Josef Bruckmoser das Buch "Weltmacht oder Auslaufmodell - Religionen im 21. Jahrhundert").

"Die Kirche braucht weder Apologeten in eigener Sache noch Kreuzritter der eigenen Kämpfe, sondern demütige Sämänner, die auf die Wahrheit vertrauen, die wissen, dass sie ihnen immer neu übergeben wird und auf ihre Kraft vertrauen. Bischöfe, die sich, auch wenn es Nacht sein wird und sie müde von der Mühe des Tages sein werden, bewusst sind, dass die Aussaat auf dem Feld keimt."

Also sprach Papst Franziskus am 27. Februar 2014 zu den 33 Mitgliedern der Bischofskongregation in Rom, deren wichtigste Aufgabe die Auswahl neuer Bischöfe ist. Dass der Bischof von Rom selbst die Vollversammlung dieses Gremiums leitete, bedeutete eine "nie dagewesene Präsenz", hat der Präfekt dieser Kongregation, der kanadische Kardinal Marc Ouellet, festgestellt. Seine Anwesenheit signalisierte jedenfalls deutlich, dass Franziskus sich der Wichtigkeit von Personalentscheidungen auf der Leitungsebene der römisch-katholischen Kirche bewusst ist. Will er Reformen erreichen, wird er eine möglichst breite Unterstützung seitens der Kardinäle und Bischöfe - deren Auswahl trotz aller Vorarbeiten anderer letztlich in seiner Verantwortung liegt - gut brauchen können. Nach den jüngsten Kardinalsernennungen, die so manche Überraschung brachten, darf mit Spannung darauf gewartet werden, wer nun zum Beispiel nach Joachim Meisner Erzbischof von Köln oder nach Egon Kapellari Bischof von Graz wird.


Giuseppe Nardi hebt auf der Website "www.katholisches.info" aus der Papstrede an die Bischofskongregation hervor, dass Franziskus sich "geduldige Männer" als Bischöfe wünscht, und zitiert: "Ich möchte das besonders unterstreichen: geduldige Männer! Es heißt, dass Kardinal Siri zu sagen pflegte: ,Fünf sind die Tugenden eines Bischofs: Erstens die Geduld, zweitens die Geduld, drittens die Geduld, viertens die Geduld und letztens die Geduld mit jenen, die uns daran erinnern, Geduld zu haben.‘"

Für Nardi ist es paradox, dass der Papst Kardinal Giuseppe Siri (1906-1989), den langjährigen Erzbischof von Genua, ehrenvoll erwähnt, nachdem gerade eine "Säuberung" Roms von den "Sirianern" erfolgt sei. Gerade jene zwei Kardinäle, die Siri einst zu Priestern geweiht hatte, Angelo Bagnasco und Mauro Piacenza, wurden unlängst von Franziskus aus der Bischofskongregation entfernt, ebenso der sich zur Linie Siris bekennende amerikanische Kardinal Raymond Leo Burke. Und der noch von Benedikt XVI. ernannte Patriarch von Venedig, Francesco Moraglia, den auch Siri zum Priester geweiht hatte, erhielt entgegen der Tradition - die Oberhirten der Lagunenstadt wurden in der Regel sofort Kardinäle - bisher nicht den Kardinalspurpur. Als ranghöchster verbliebener "Sirianer" im Vatikan ist Guido Marini, der Zeremonienmeister des Papstes, anzusehen, der als Seminarist die Ehre hatte, als "caudatarius episcopi" (Schleppenträger des Bischofs) für Siri zu fungieren, aber nicht mehr von diesem geweiht wurde.

Giuseppe Siri, über Jahrzehnte Wortführer des konservativen Kirchenflügels, galt als jener Kardinal, den sich Papst Pius XII. (1939-1958) als Nachfolger gewünscht hätte, jener Pontifex, dem die Aussage zugeschrieben wird: "Der Papst braucht keine Mitarbeiter, sondern Ausführende." Doch das Kardinalskollegium schlug mit der Wahl von Johannes XXIII. (1958-1963), der das Zweite Vatikanische Konzil einberief, und von Paul VI. (1963-1978), der dieses Konzil fortsetzte, einen anderen Weg ein. Diesen Weg geht Papst Franziskus eindeutig weiter, vom konservativen Kirchenkurs der "Sirianer" ist er weit entfernt. Sein Zitieren Siris kann daher wohl nur als Geste verstanden werden, zugleich aber als Hinweis, dass Geduld für diesen Papst tatsächlich eine wichtige Tugend darstellt. Franziskus weiß, dass es geduldiger Arbeit bedarf, die Kirche nachhaltig zu reformieren, und er wünscht sich diese Geduld auch von allen, die ihn dabei begleiten und unterstützen wollen.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-03-05 16:56:04
Letzte Änderung am 2014-03-07 15:47:04


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