• vom 13.07.2007, 12:03 Uhr

Platten der 60er/70er Jahre

Update: 11.08.2016, 15:43 Uhr

1967

Soundtrack zum "Summer Of Love"




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Von Bernhard Torsch

  • Die Platten, die das Jahr 1967 prägten. Zehn unvergessliche Alben von Legenden wie Jimi Hendrix, The Doors, Jefferson Airplane, Cream und den Byrds.

Im Sommer 1967 rollte eine kulturelle Revolution über die Länder der freien Welt.

Im Sommer 1967 rollte eine kulturelle Revolution über die Länder der freien Welt.© Christian Berger Im Sommer 1967 rollte eine kulturelle Revolution über die Länder der freien Welt.© Christian Berger

Vor 40 Jahren lag etwas in der Luft, und es war nicht nur der Duft von Haschischzigaretten und Räucherstäbchen. Im Sommer 1967 rollte eine kulturelle Revolution über die Länder der freien Welt, eine Revolution, die Lebensart und Kunst dermaßen stark beeinflusste, dass sie nicht nur dem persönlichen Streben nach Freiheit eine neue Dimension gab, sondern auch die längst fällige Modernisierung der Marktwirtschaft einleitete.

An der Spitze dieser Veränderungen stand die Rockmusik, deren Beat den Takt der Revolte vorgab. Die populäre Musik erreichte ihre erste kreative Klimax und versorgte die Jungen und Junggebliebenen mit einem faszinierenden Soundtrack bei der Suche nach neuen Ufern. Was davon hat 40 Jahre später noch Bestand?


The Jimi Hendrix Experience: Are You Experienced?

Ein Rockalbum als Zeitenwende, die die Musikgeschichte in eine Ära vor und eine nach Hendrix einteilt. Hier erhebt der riffverliebte Hardrock erstmals stolz sein Macho-Haupt und Legionen von Gitarristen stellten die Platte seit ihrem Erscheinen auf einen Altar und beteten sie völlig zu Recht als das Werk eines Genies an. Hendrix entlockte der Gitarre Unerhörtes und schrieb Songs, die man nicht mehr vergisst. Anspieltipps: "Foxy Lady", "Purple Haze", "Third Stone from the Sun".

The Velvet Underground: "The Velvet Underground & Nico".

Das ist das rabenschwarze Kontrastprogramm zu den ansonsten meist optimistischen Veröffentlichungen des Jahres 1967. Popart-Gott Andy Warhol malte seiner Hausband das berühmte Bananencover, und Lou Reed und John Cale nahmen mit Nico am Mikrophon Lieder über Heroinsucht und Sadomasochismus auf, während die musikalische Konkurrenz von Liebe und Frieden sang. Finster, prophetisch und in seiner absichtlichen Hässlichkeit zeitlos schön. Beste Songs: "Heroin", "All Tomorrows Parties" und "Venus in Furs".

The Doors: "The Doors".

Mit treibendem Beat, eindrücklichen Texten und einer wahren Ikone der Gegenkultur als Frontman lud die Band um Jim Morrison das Publikum zu einer Reise auf die "andere Seite" und in die Tiefen der Psyche ein. Erstmals fand mit der Coverversion einer Brecht/Weill-Komposition ein Stück Hochkultur den Weg auf eine Rockplatte. Vom pulsierenden Opener bis hin zum hypnotischen, ödipale Traumata thematisierenden Rausschmeißer ein einziger wilder Trip. Die Klassiker: "Light My Fire", "Alabama Song" und "The End".

Jefferson Airplane: Surrealistic Pillow.

Eine ganze Generation nimmt LSD und diese Platte ist die musikalische Entsprechung dazu. Die gesamte Scheibe klingt nach Auflehnung, antiautoritärer Trotzhaltung und den Verheißungen von Drogen und freier Liebe. "As 60ies as it can get", wie der Angelsachse sagen würde, "mehr 60er Jahre geht nicht". Kaum eine andere LP lässt einen dermaßen anschaulich am damaligen (Frei-)Geist von San Francisco teilhaben. Die Evergreens: "Somebody To Love", "Plastic Fantastic Lover" und "White Rabbit".

Pink Floyd: The Piper At The Gates Of Dawn.

Das Debut der späteren Prog-rockmonster entstand noch ganz unter der kreativen Führung des wenig später in den Wahnsinn abgedrifteten Syd Barret und ist eine gar wunderliche Ansammlung von frühem Spacerock und Kinderliedern, die man in Stechapfeltee eingelegt hat. Die Platte übt bis heute einen starken Einfluss auf die Musikwelt aus, Spuren von "Piper" finden sich bei R.E.M. ebenso wie bei Nirvana und Monster Magnet. Die Nummern, die man man kennen muss, sind: "Astronomy Domine", "The Gnome" und "Bike".

The Rolling Stones: "Between the Buttons" .

Mick Jagger und seine Mannen beschallen die Sexuelle Revolution. Geerdeter als die Beatles, ist der Beitrag der Stones zum Summer of Love nicht weniger interessant, wobei hier die US-Version die eindeutig bessere Tracklist hat als die britische Veröffentlichung (die vor wenigen Jahren erschienenen Remasters enthalten die besten Lieder beider Versionen). Unsterblich: "Let´s Spend The Night Together", "Yesterday´s Papers" und "Ruby Tuesday".

Cream: "Disraeli Gears".

Das knallbunte Cover passt zu dieser nahezu makellosen Verkörperung all jener Tugenden, die psychedelischer Heavy-Rock zu bieten hat. Eric Clapton, Jack Bruce und Ginger Baker laden nicht nur Kiffer und LSD-Kosmonauten, sondern jeden Bluesrock-Freund zu einem netten Abend mit verdrogter Hausmusik, gesponsort von der lokalen Nervenheilanstalt. Die Highlights: "Sunshine Of Your Love", "Strange Brew", "Swlabr".

The Who: "Sell Out".

In einem Jahr voller musikalischer Durchbrüche und kreativer Befreiungsschläge brachen die Jungs um Pete Townshend all die Hippietümelei ironisch mit einem als Ansammlung fiktiver Werbejingles aufgebauten Konzeptalbum. Zwischen das Anpreisen von Baked Beans, Deodorants und Selbstbräunern packte die Band ihre üblichen hochenergetischen Rocker, die allein schon von Lautstärke und Geschwindigkeit nicht so recht zu Räucherstäbchen und Cannabiszigaretten passten. Must-Hears: "I Can See For Miles", "Armenia City In The Skies", "Mary Ann With The Shakey Hand".

The Byrds: "Younger Than Yesterday".

Eine Platte, die das Bedürfnis weckt, sich die Haare wachsen zu lassen, den Job hinzuschmeißen und im offenen Cadlillac nach Kalifornien zu fahren, um sich anschönen Hippiemädchen zu ergötzen. Abgesehen davon das künstlerisch wertvollste Statement von Roger McGuinn, Chris Hillmann und David Crosby, denen hier die Mischung aus schaurig-schönem Harmoniegesang mit scheppernden Gitarren perfekt gelingt. Anbetungswürdig: "So You Want To Be A Rock´n Roll Star?", "Renaissance Fair" und "Time Between".

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Dokument erstellt am 2007-07-13 12:03:22
Letzte Änderung am 2016-08-11 15:43:55

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