Fakire und Indianerkämpfe

1923 eröffnete gegenüber vom Zirkus Busch der Zirkus Zentral. Dort gastierten u. a. Billy Jenkins mit seiner Wild-West-Show, Carl Hagenbeck mit seiner Indienschau, und Kapitän Wall mit seinen Riesenkrokodilen, auf denen er ritt, mit ihnen scheinbar kämpfte und seinen Kopf in ihren Rachen steckte. Der Zirkus Krone hatte damals in der Nähe der Rotunde seine Zeltstadt errichtet, und als die dort engagierten Indianer erfuhren, dass ihr ehemaliges, nun bereits abgesprungenes Truppenmitglied - ein Siouxhäuptling, dessen Name als "Chief Os-Ka-Kom" überliefert wird - im Zirkus Zentral auftrat, erschienen sie unangemeldet in einer Vorstellung. Den Abtrünnigen begrüßten sie mit lautem Geheule, das in Schimpfkanonaden überging, bis die herbeigerufene Polizei für Ruhe sorgte.

Kaldy-Karo erinnert sich an eine andere Anekdote aus dem Zirkus Zentral: "Dort ist auch der Welser Fakir Yoga Rayo aufgetreten. Er hat sich dort zur Schau gestellt, wie seine Zunge auf einem Pfosten festgenagelt wurde. Was keiner wusste: er hatte ein Piercing. Wenn er aufs Klo musste, hat er den Vorhang schließen lassen, den Nagel kurz und schmerzlos entfernt, und ist schnell raus. Yoga Rayo ist erst in den 1970ern gestorben und ich hab einmal mit ihm reden können, bei einem Zauberkongress in Linz".

Das Busch-Gebäude brannte 1945 nieder. Die letzten Reste wurden in den 1950ern abgerissen. "Man sieht anhand der Postkarten den äußeren Verfall des Gebäudes. Es wurde immer weniger Geld hineingesteckt, da die Kinokonkurrenz immer größer wurde", so Kaldy-Karo. Heute gibt es weder einen offiziellen Stellplatz für Zirkusse im Prater, noch ein Kino - und Kaldy-Karo erinnert sich schmunzelnd an andere Zeiten: "Es gab ein Kino beim Praterstern in einer Unterführung, da war schon am Vormittag eine Vorstellung, mit viel zu jungen Leuten und Arbeitslosen. Das war für uns der perfekte Ort zum Schulschwänzen."