Maria Zacharias war als "Dicke Mitzi" eine Praterattraktion.
Maria Zacharias war als "Dicke Mitzi" eine Praterattraktion.

Wien. "Die ist renoviert", sagt Robert Kaldy-Karo, der Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums, und hält mit beiden Händen eine Riesenunterhose hoch, die vom Ausmaß her eher wie ein Bettüberzug aussieht. "Die hat Ludwig Zacharias, Mitzis Mann, vor ihrer Bude stolz hergezeigt und kommentiert, um Leute anzulocken. Sie war ja immer drinnen, und diese Unterhose hat sie selbstverständlich nie angehabt."

Die "Prater Mitzi" oder "Dicke Mitzi" wurde 1903 als Maria Skvrne geboren und nahm mit ihrer Heirat den Nachnamen Zacharias an. Schon von Jugendalter an litt sie an Diabetes, doch sie trug ihre Leiden bis zum letzten Atemzug mit Humor. So lachte sie laut damaligen Berichten auch, wenn Freunde zu ihr sagten: "Wer dich sieht, der weiß, warum andere am Hungertod sterben müssen."

Dabei aß sie nicht mehr als der Durchschnittswiener - eher sogar weniger. Wahrscheinlich war eine Unterfunktion der Schilddrüse Grund für ihre Fülle. Sie kam als normal schweres Kind zur Welt, erst ab dem Alter von elf fing sie an, die "Dicke Mitzi" zu werden. In einem Nachruf ist zu lesen: "Ihre ‚schwerste Zeit‘ hatte Mitzi mit 21 Jahren. Damals wog das jugendfrische Kind etwas mehr als 265 Kilogramm. Damals stand die dicke Mitzi allabendlich in der Manege des Zirkus Renz und ließ ihre Oberarmmuskeln spielen, die stärker waren als ein Baumstamm."

In ihrer Karriere trat sie in den verschiedensten Schaubuden auf, aber auch im renommierten Zirkus Zentral - etwa als "Mitzi - die Königin aller Riesendamen" oder "Königin der Kolossaldamen". Sie absolvierte zahlreiche In- und Auslandstourneen und war beim Publikum überaus beliebt, eine wahre Praterlegende. Im Wochenblatt vom 21. November 1957 ist zu lesen: "Eines ihrer bekanntesten Kraftstücke, das sie in allen internationalen Zirkussen vorführte, war, daß sie gleichzeitig mit vier dicken Männern in die Arena trat, die Vertreter des ‚starken‘ Geschlechts je zwei und zwei mit ihren muskulösen Armen umfing, hochstemmte und alle vier unter dem Jubel des Publikums umhertrug."

Kaldy-Karo plaudert aus dem Nähkästchen: "Ihr Mann Ludwig Zacharias war auch eine Figur: er hat sie nicht nur angepriesen, sondern ist auch selbst als Clown, Indianer, Praterausrufer, Zauberer,... aufgetreten. Und die Mitzi wird einen Mordsspruch und guten Humor gehabt haben. Wenn da jemand rein in ihre Bude ist und gesagt hat: ‚Servas, blade Mitzi!‘, wird sie ihm sicher die richtige Meldung zurückgeschoben haben."