"Die ganze Truppe hat damals in Rotunde überwintert", erzählt Kaldy-Karo. "Es wäre interessant zu wissen, wo die währenddessen überall gewesen sind, dazu habe ich in den Zeitungen aber wenig bis gar nichts gefunden. Ich weiß zwar, dass es offiziell ein Fraternisierungsverbot gegeben hat, aber die werden schon auch Bälle oder Lokale in der Stadt besucht haben. Dass hunderte Menschen drei Monate kasernieren, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen." Derzeit ist eine Ausstellung im Wiener Volkskundemuseum zu sehen, die sich den "Besatzungskindern" von afroamerikanischen GIs und österreichischen Müttern widmet, doch "Zirkuskinder" - und Zirkusse stationierten immer wieder in der Stadt - wurden bisher noch nicht wissenschaftlich aufgearbeitet.

Nach dem Barnum & Bailey-Gastspiel in der Rotunde traten noch zahlreiche andere Künstlertruppen in der Riesenkuppel auf, doch am 17. September 1937 ging der Prachtbau um die Mittagszeit in Flammen auf. Das Feuer breitete sich sehr schnell aus und brachte die Kuppel innerhalb kürzester Zeit zum Einsturz. Dieser Brand wirkte wie ein Magnet auf die Massen in Wien, und Polizei und Militär hatten damit zu kämpfen, die Absperrungen aufrecht zu halten. Die Feuerwehr konnte nicht viel von der Rotunde retten, nur ein paar wenige Mauern blieben übrig.

Der Zirkus Barnum & Bailey hingegen leibt und lebt bis heute: 1907 von den in Zirkuskreisen erfolgreichen Ringling Brothers übernommen, geht die Show seither als Ringling Bros and Barnum & Bailey Circus weiter, so Kaldy-Karo: "Der Barnum & Bailey-Zirkus tourt noch immer mit seiner roten und seiner blauen Tour, die verschiedene Programme bieten und sich jährlich abwechseln, durch Amerika - und zwar mit dem Zug." Die beiden Sonderzüge mit etwa 60 Wagen und einer Gesamtlänge von 1,6 Kilometer gehören dem Zirkus selbst und gelten als größter privater Zug der USA. Kaldy-Karo nickt: "Auch heute stoppen sie nur in Hallen mit mindestens 8000 Personen. Was das Interessante war: Auch damals um 1900 gab es schon das ganze Merchandise: Postkartenserien, Programmhefte, Erklärungshefte zur Sideshow und den Tierschauen, Erinnerungsfächer und vieles mehr. Das alles gab es vor, während und nach der Aufführung zu kaufen. Damals wie heute ein Topgeschäft."