Seeschlachten wurden bei den "Marineschauspielen" mit großen Modellschiffen nachgespielt. Es gab Schießbuden, bei denen man zur Unterhaltung auf als Kriegsgegner inszenierte Figuren schießen konnte. Zudem wurde auch in das sich gerade entwickelnde Phänomen "Kino" investiert und ein Lichtspieltheater mit 760 Sitzplätzen errichtet, um begeistert vom Krieg als "reinigender Kraft" zu erzählen. Offiziell ging es dabei um "die Belehrung der Bevölkerung über die Kriegsführung", um die Angehörigen zu beruhigen, die sich um ihre Männer und Söhne sorgten. Gezeigt wurden auch zahllose Kriegstrophäen des Heeres und der Marine, die patriotisch präsentiert wurden.

Die Popularität der Kriegs-Ausstellung übertraf sämtliche Erwartungen: Sorge, gemischt mit Neugier und Begeisterung, lockte unzählige Zuschauer an. Ein Orchester, bestehend aus einarmigen Musikern, sollte zeigen, welch künstlerisches Potenzial selbst Kriegsversehrte hätten, doch immer mehr wich die Kriegsbegeisterung einer brutalen Ernüchterung. Georg Trakl etwa erlitt an der Ostfront einen Nervenzusammenbruch und versuchte sich selbst das Leben zu nehmen. Aus Angst, für diese Schwäche vors Kriegsgericht gestellt zu werden, beging er darauf tatsächlich Selbstmord. Karl Kraus schrieb: "Der ausgestellte Krieg! Ich würde eine Friedensausstellung besuchen, in der aber nichts zu sehen sein dürfte als aufgehängte Kriegsgewinner, die Helden des Geldkriegs, die, als das Vaterland rief, verstanden haben: Jetzt heißt es sich zusammenscharren!"

Nachdem die Propaganda durch die Kriegsniederlage und die desaströsen Zustände in Wien entzaubert worden war, wurde es auch Zeit für den Prater, sich wieder zu verändern. Eine andere Form der Unterhaltung und Zerstreuung war wieder gefragt, und ab 1919 waren ein Hippodromzirkus, Autorennen und verschiedene Zaubertheater zu sehen, die sich nicht mit politischen Ausschlachtungen die Finger verbrennen wollten. Der Prater erfüllte stets der Zeit ihren Dienst.

Die Serie "Unbekannte Pratergschicht’n" von Clemens Marschall und seinem wissenschaftlichen Berater Robert Kaldy-Karo erscheint zum runden Prater-Jubiläum wöchentlich in der "Wiener Zeitung" und beleuchtet obskure Nebenstränge

der Geschichte des Praters.

Erschienen ist weiters Kaldy-Karos Archivbildband "250 Jahre Prater" im Sutton Verlag. Darüberhinaus ist die aktuelle Sonderausstellung

"250 Jahre Wiener Prater"

im Circus- und Clownmuseum Wien (Ilgpl. 7, 1020 Wien) zu sehen.

Nähere Infos finden Sie auf www.circus-clownmuseum.at

www.wienerzeitung.at/prater