Washington/Wien. "Der Rover wird Entdeckungen machen, die jenseits unserer Vorstellungskraft sind", versprach Nasa-Manager John Grunsfeld Montagfrüh, kurz nachdem das Forschungsfahrzeug "Curiosity" auf der Mars-Oberfläche aufgesetzt hatte. Bei ihrer Pressekonferenz wurden die Experten immer wieder vom Jubel und Klatschen der Zuschauer unterbrochen, unter denen sich auch zahlreiche Nasa-Mitarbeiter befanden.

Eines der ersten Bilder , die "Curiosity" zur Erde schickte: die Marsoberfläche und ein Rad des Rovers. - © REUTERS
Eines der ersten Bilder , die "Curiosity" zur Erde schickte: die Marsoberfläche und ein Rad des Rovers. - © REUTERS

Der berechtigte Beifall für eine tolle Leistung, der über die Fernsehkanäle durch die Welt ging, war wohl auch durchaus förderlich, um dem US-Steuerzahler zu verdeutlichen, warum die Erforschung anderer Planeten auch in Krisenzeiten Geld kosten darf - obwohl es jede Menge ungelöste Probleme auf der Erde gibt. Der Erfolg von "Curiosity" soll dazu beitragen, dass Budgetkürzungen der Nasa künftig weniger harsch ausfallen. Doch eine breite Öffentlichkeit wird die Mission wohl nur noch in den kommenden Tagen beschäftigen. Danach wird sie nur für Experten von Belang sein.

Die "Apollo"-Missionen mit der Landung der Amerikaner auf dem Mond (1969) faszinierten hingegen die Welt. Wohl mit dem Hintergedanken, die Herzen der Menschen an genau dieser Stelle zu packen, betonte US-Präsident Barack Obama am Montag: "Der heutige Erfolg erinnert uns daran, dass unsere Vormachtstellung - sowohl im All als auch auf der Erde - davon abhängt, dass wir klug in Innovation investieren, die schon immer dafür gesorgt haben, dass unsere Wirtschaft beneidet wurde."

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Intellektuelle Neugier

Doch der Vergleich hinkt. Denn die beiden Missionen sind nicht vom gleichen Schlag. Wiewohl sie die komplexeste und am vollständigsten ausgestattete Mars-Mission ist, ist "Curiosity" bei weitem nicht die erste Mars-Landung. Zudem dreht sich die Neugier des Rovers um Spuren von vergangenem Leben und nicht um Leben auf dem Roten Planeten heute. Zu groß wäre das Risiko eines Scheiterns, nachdem etwaige unterirdische Wasserquellen schon vorherigen Missionen entgangen waren. Angesichts der Finanznöte des Nasa-Weltraumprogramms ist auf der sicheren Seite zu bleiben immerhin ein kluger Zug.

"Apollo hat den Menschen mehr bedeutet, weil ein Mensch erstmals den Mond betreten musste, um Material zur Erde zurückzubringen, um es auszuwerten. Das alles macht ,Curiosity‘ vor Ort. Und natürlich werden wir unvergleichlich mehr darüber erfahren, warum sich der Mars anders entwickelt hat als die Erde als je zuvor. Doch dieses Wissen befriedigt rein die intellektuelle Neugier, und ist nur am Rande ein politisches Wettrennen um einen Platz eins", erklärt Wolfgang Baumjohann, Direktor des Instituts für Weltraumforschung in Graz. Eine bemannte Mars-Mission würde ihm zufolge nicht wie "Curiosity" 1,9 Milliarden sondern rund 500 Milliarden Dollar kosten - eine Summe weit jenseits derzeitiger US-Möglichkeiten. Oder, wie Peter Thiel, Gründer des Online-Bezahlsystems Pay Pal und der konservativ-liberalen "Stanford Review", es in seinem Essay "Das Ende der Zukunft" verstanden wissen will: Der Mensch greift nicht mehr nach den Sternen. In Zeiten der Wirtschaftsflaute leisten wir uns keine großen Träume mehr.