Wien/Graz. Eigentlich wollten die Wissenschafter des Instituts für Weltraumforschung (IWF) der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) in Graz der Erde und dem Saturn zuhören - konkret die Daten der Radiostrahlung der beiden Planeten analysieren, aufgezeichnet von den beiden NASA-Raumsonden "Stereo-A" und "Stereo-B". Dabei funkte ihnen allerdings ein "Störsender" dazwischen. Wie sich herausstellte, haben die Forscher eine bisher unbekannte Radiostrahlung des Jupiters entdeckt, wie der Wissenschaftsfonds FWF, der das Projekt gefördert hat, am 27. August in einer Aussendung mitteilte. Die Arbeit wurde in der Fachzeitschrift "Geophysical Research Letters" veröffentlicht.

  Die Erde ist radiolaut. So werden in der Astronomie Objekte bezeichnet, die eine messbare Radiostrahlung verursachen. Verantwortlich dafür ist das Magnetfeld der Erde, das geladene Teilchen wie Elektronen, Protonen und Ionen beeinflusst und so Radiostrahlung verursacht. Auch andere Planeten wie der Saturn oder der Jupiter senden eine solche Strahlung aus. Ihre Messung erlaubt Rückschlüsse auf die Magnetfelder des jeweiligen Planeten.

  50 Jahre unentdeckt

  Gemeinsam mit Kollegen aus den USA und Frankreich wollte das Team um Helmut O. Rucker, Stellvertretender Direktor des IWF, spezielle Radiostrahlung der Erde und des Saturns analysieren. Im Zuge der Auswertung entdeckte Ruckers Kollege Mykhaylo Panchenko eine eigenartige Radiostrahlung, die vom Jupiter ausging. "Dass diese Strahlung aber trotz fünfzigjähriger Beobachtung der Jupiter-Radiostrahlung unentdeckt geblieben war, war für uns Anlass, ihr auf den Grund zu gehen", so Rucker.

  Auffällig an der neuen Strahlung im Dekameterbereich, also mit einer Wellenlänge von etwa zehn Metern, war vor allem ihre Periodizität, also der Wechsel ihrer Intensität. Bisher waren für die Dekameterstrahlung des Jupiters zwei Perioden bekannt: eine, die sich durch die Rotation des Jupiters ergibt und neun Stunden, 55 Minuten und 29,7 Sekunden umfasst, sowie eine weitere, die auf den Einfluss des Jupiter-Monds Io auf das Magnetfeld zurückzuführen ist (42,46 Stunden). Mit einer Periodizität von etwa 10,07 Stunden lag die neu entdeckte Komponente der Radiostrahlung aber ca. 1,5 Prozent über der, die sich durch die Rotation des Jupiters ergibt.

  "Unsere weiteren Analysen legten die Vermutung nahe, dass die Quelle dieser neuen Radiokomponente gemeinsam mit Jupiter rotiert. Wir vermuten, dass der Strahlungsursprung in der Nähe des sogenannten Plasmatorus des Jupitermondes Io liegt", so Panchenko. Dabei handelt es sich um einen ringförmigen Bereich um den Jupiter, der auf Höhe der Bahnebene des Mondes Io liegt und durch vulkanisches Material des Mondes gebildet wird, das mit dem Magnetfeld des Jupiters wechselwirkt. Diese These zur Quelle und Fragen zur Erzeugung der Radio-Impulse müssen nun in zukünftigen Projekten geklärt werden.