Moskau/Wien. (dpa/est) Der europäische Raumtransporter "Edoardo Amaldi" ist bei einem kontrollierten Absturz über dem Südpazifik verglüht. Das mit rund 1,3 Tonnen Müll beladene Hightech-Raumschiff habe in der Nacht auf Mittwoch wie geplant seine sechsmonatige Mission beendet, teilte die europäische Raumfahrtagentur ESA nach Angaben russischer Agenturen mit.

Der nach dem italienischen Physiker Edoardo Amaldi (1908-1989) benannte Transporter ist das schwerste, größte und technisch ausgefeilteste Raumfahrzeug, das jemals in Europa gebaut wurde. Ende März war der 20-Tonnen-Frachter von der Größe eines Doppeldeckerbusses vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou mit einer Trägerrakete Ariadne ins All transportiert worden. Er brachte sechs Tonnen Lebensmittel, Kleidung, Wasser, Kraftstoffe und andere Ausrüstungsgegenstände zur Internationalen Raumstation ISS. Dort wurde er mit Abfall aus der Raumstation beladen. Sein Antrieb brachte die ISS zudem in eine höhere Umlaufbahn.

Das Abdockmanöver hätte bereits am Dienstag stattfinden sollen, war aber aufgrund von technischen Problemen verschoben worden. Der Frachter hatte nach Angaben der ESA ein Kommando vom russischen Swewda-Modul der ISS, an das es angedockt war, nicht korrekt empfangen.

30 Unternehmen aus zehn europäischen Ländern und acht aus Russland und den USA waren an der Fertigung von "Edoardo Amaldi" beteiligt gewesen. Auf die 450 Millionen Euro teure Mission sollen zwei weitere folgen: ATV-4 - "Albert Einstein" - im April 2013 und ATV-5 - "Georges Lemaitre" 2014. Dann stellt die ESA den Bau dieser Versorgungsschiffe ein.

Auf der ISS, dem Außenposten der Menschheit, sind derzeit eine US-Astronautin, ein russischer Kosmonaut und ein japanischer Raumfahrer im Einsatz. Heranrasender Weltraumschrott sorgt rund 420 Kilometer über der Erde für Alarmbereitschaft. Ein Bruchstück eines japanischen Satelliten nähere sich der Raumstation, teilte die Flugleitzentrale bei Moskau am Mittwoch mit. Heute Donnerstag würden die Raketen am russischen Swewda-Modul gezündet. Ein solches Manöver wird immer dann ausgeführt, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Kollision größer ist als 1 zu 10.000.

Satelliten mit Defekt oder ohne Energie kreisen oft viele Jahre nutzlos um die Erde. Sie können anderen Trabanten durch Kollision gefährlich werden. Die ISS muss immer wieder ausweichen. "Wir analysieren die Flugbahn, dann entscheiden wir über ein mögliches Ausweichmanöver", sagte ein Sprecher der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos.

21.000 Trümmer im All

Die US-Raumfahrtbehörde Nasa schätzt, dass sich mittlerweile mehr als 21.000 Trümmer, die größer als zehn Zentimeter sind, in einer Umlaufbahn der Erde befinden. Der Weltraumschrott wird zu einem immer größeren Problem für die Raumfahrt.

Das deutsche Projekt "Deos" (Deutsche Orbitale Servicing Mission) will in fünf Jahren die ersten Service-Satelliten einsetzen, die andere Satelliten warten, reparieren, auftanken oder beseitigen können. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt und die EADS-Tochter Astrium Satellites unterzeichneten dazu jüngst einen Vertrag im Volumen von 15 Millionen Euro.

Für Aktionen im All sind komplexe Robotervorgänge nötig. Defekte Satelliten werden eingefangen, dann repariert oder mit neuer Energie versorgt. Ausgediente Satelliten auf einer niedrigen Umlaufbahn müssen dazu gebracht werden, kontrolliert in der Atmosphäre zu verglühen - unkontrollierte Abstürze müssen verhindert werden.

Für die weitere Arbeit der ESA werden wichtige Entscheidungen bei einer EU-Ministerratssitzung im November erwartet. Dabei soll geklärt werden, in welche Richtung die europäischen Trägerrakete Ariane weiterentwickelt werden soll. Derzeit kann "Ariane 5" rund zwölf Tonnen Nutzlast ins All tragen.