Cape Canaveral. Einst Symbole für den Fortschritt der Raumfahrttechnik, heute Ausstellungsstücke: Mit der Raumfähre "Atlantis" ist am Freitag auch das letzte Mitglied der legendären amerikanischen Space Shuttle-Flotte ins Museum gerollt. Die fast 60 Meter lange Raumfähre wurde auf einem Spezialtransporter zum Besucherzentrum des Kennedy Space Centers im Bundesstaat Florida gebracht. Im Juli 2013 soll dort eine große Ausstellung rund um das Shuttle eröffnet werden. Zuvor waren in den vergangenen Monaten auch die anderen Raumfähren der Flotte - "Enterprise", "Endeavour" und "Discovery" - zu ihren endgültigen Ruheplätzen in verschiedenen US-Museen gebracht worden. Es ist das Ende einer Ära.

  "Als ich sie heute Morgen sah, kam ein ganzer Schwall von Erinnerungen über mich und ich dachte nur - 'wow'", sagte der Cheftechniker der "Atlantis", Conrad Nagel, am Freitag. "Wenn man 13 Jahre lang mit etwas zusammenlebt, kennt man es wirklich gut. Man wacht morgens auf und denkt an die 'Atlantis', man geht ins Bett und denkt an die 'Atlantis' und man wird mitten in der Nacht von einem Anruf aufgeweckt, bei dem es sich wieder um die 'Atlantis' dreht." Ehemalige Astronauten und Techniker der "Atlantis" begleiteten die Raumfähre am Freitag auf ihrer letzten Fahrt. "Wir haben Geschichte geschrieben" stand auf einem Plakat, das sie hochhielten.

30 Jahre voller Stolz  
Die Ära der Raumfähren begann am 12. April 1981 mit dem ersten Start der "Columbia". Danach war das Shuttle-Programm rund 30 Jahre lang Amerikas ganzer Stolz und Garant der US-Vormachtstellung im All. Mehr als 870 Millionen Kilometer hat die gesamte Flotte zurückgelegt, dabei zusammengezählt rund vier Jahre im All verbracht, mehr als 21.000 mal die Erde umrundet und 852 Crewmitglieder transportiert. Eine ganze Generation von Amerikanern wuchs mit der Flotte auf, die Shuttles wurden zu nationalen Ikonen. Ihre Erfolge wurden begeistert gefeiert, die Unglücke der "Challenger" und der "Columbia", bei denen insgesamt 14 Astronauten ums Leben kamen, schockiert betrauert. Im Juli vergangenen Jahres kehrte die "Atlantis" zum letzten Mal aus dem All zurück.

  Schon lange war das Programm zu teuer geworden. Eine Milliarde Dollar (rund 700 Millionen Euro) kostete ein Flug zuletzt und brachte nicht viel mehr als einen Transport zur Internationalen Raumstation ISS. Der Mars wurde zum neuen Ziel erklärt, und bemannte Missionen dorthin sollen nach dem Willen der US-Regierung in wenigen Jahrzehnten starten. Auf dem Weg zur ISS sind europäische und amerikanische Raumfahrer nun auf Mitfluggelegenheiten in den russischen "Sojus"-Raumschiffen angewiesen. Auch die Privatindustrie profitiert vom Ende der Shuttles. Die US-Firma SpaceX hat gerade zum zweiten Mal den von ihr entwickelten Weltraumtransporter "Dragon" zur ISS geschickt, bisher allerdings noch ohne Menschen.

  Und auch für Raumfahrt-Fans und Touristen hat das Ende der Shuttle-Ära eine positive Seite: Endlich können sie die Flotte aus nächster Nähe betrachten. "Atlantis" in Florida, "Discovery" in Virginia, "Endeavour" in Los Angeles und die nie ins All geflogene Test-Raumfähre "Enterprise" in New York.