Führt die Privatisierung von Verkehrsunternehmen automatisch zu Verspätungen? Was britische Bahnkunden jahrelang feststellen mussten, erlebt nun die Besatzung der Internationalen Raumstation (ISS). Technische Probleme verzögern die Ankunft des privaten US-Raumfrachters Dragon.

Knapp neun Minuten nach dem erfolgreichen Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida meldete der unbemannte Frachter am Freitag (Ortszeit) Probleme. Eine Stabilisierung sei gelungen, aber der Dragon könne die ISS frühestens am Sonntag erreichen, teilte die Betreiberfirma SpaceX mit. Ursprünglich sollte der mit mehr als 500 Kilogramm Vorräten und Materialien beladene Frachter am Samstag an der Raumstation andocken.

Die genau Ursache der Schwierigkeiten blieb zunächst unklar. Es habe Probleme mit den Korrekturdüsen und einem Treibstoff-Ventil gegeben, teilte SpaceX mit. Dies habe möglicherweise am Sauerstoff-Druckausgleich gelegen, sagte Firmengründer Elon Musk bei einer Pressekonferenz. "Da scheint es eine Verstopfung gegeben zu haben. Wir glauben aber, dass wir die inzwischen gelöst haben."

Die Sonnensegel seien erfolgreich ausgefahren worden und der Frachter unter Kontrolle. "Das war schon ein bisschen angsteinflößend, aber wir glauben, dass wir das Problem jetzt gelöst haben", sagte Musk. Es handele sich nicht um ein grundlegendes Problem, sondern nur um eine "kleine Panne".

Gemeinsam mit der US-Raumfahrtbehörde NASA werde über das weitere Vorgehen beraten. Nur wenn die US-Raumfahrtbehörde das Andocken als sicher einstuft, kann sich der Frachter der ISS nähern. Wann genau das Manöver stattfinden kann, war zunächst unklar. "Sonntag wäre ganz eventuell noch eine Möglichkeit, aber jetzt ist es noch zu früh, um das sicher zu sagen", sagte Musk. Notfalls kann der Raumfrachter dank seiner Sonnensegel mehrere Monate im All bleiben.

Die Fracht von Dragon sei für die Astronauten an Bord der ISS nicht überlebenswichtig, sagte der Chef des ISS-Programms, Michael Suffredini. "Aber die Experimente, die wir geplant haben, müssten verschoben werden, wenn die Lieferung nicht kommt." Die NASA hatte den letzten Space Shuttle vor knapp zwei Jahren eingemottet. Das Unternehmen SpaceX stellt den Frachter "Dragon" gegen Geld zur Verfügung. Im vergangenen Jahr hatte der erste private Raumtransporter der Geschichte zunächst einen erfolgreichen Testflug und dann auch seinen ersten Versorgungsflug zur ISS absolviert.