Genf. Ein Detektor auf der Internationalen Raumstation ISS liefert neue Hinweise bei der Suche nach der mysteriösen Dunklen Materie. Die Forscher um den Physik-Nobelpreisträger Samuel Ting haben einen Überschuss sogenannter Positronen im Weltall gemessen, die aus allen Richtungen auf die Erde einprasseln. Das berichtete das Europäischen Teilchenforschungszentrum CERN bei Genf am 3. April. Positronen sind die positiv geladenen Anti-Teilchen der Elektronen.

Sie könnten dabei helfen, eines der größten Rätsel der modernen Physik zu lösen. Die Dunkle Materie soll fünfmal häufiger im Weltall vorkommen als jene Materie, aus der Menschen, Planeten und Sterne aufgebaut sind. Einer gängigen Theorie zufolge besteht der mysteriöse Stoff aus bisher unbekannten Elementarteilchen. Wenn zwei der hypothetischen Dunkle-Materie-Teilchen zusammenstoßen, könnten Positronen entstehen, vermuten die Forscher.

Das "Alpha Magnetic Spectrometer"
Aufgefangen hat die Positronen das 1,5 Milliarden US-Dollar (1,2 Milliarden Euro) teure "Alpha Magnetic Spectrometer" (AMS-02), das am 16. Mai 2011 zur ISS geschossen wurde. Der 8,5 Tonnen schwere Detektor bestätigte damit weniger genaue Messungen des Weltraumteleskops "Fermi" und des Satelliten "Pamela".

Ob die Positronen, die zur Antimaterie zählen, wirklich ein Hinweis auf die vorhergesagte Dunkle Materie sind, wissen die Forscher noch nicht. Auch bekannte astronomische Objekte wie Pulsare können Positronen ins Weltall feuern. Die Arbeit, die das Fachjournal "Physical Review Letters" veröffentlichen will, liefert dem CERN zufolge jedoch Hinweise darauf, dass die Positronen aus allen Richtungen auf die Erde treffen. Das wäre auch von Teilchen der Dunklen Materie zu erwarten, da diese gleichmäßig um unsere Galaxie verteilt sein müsste. "In den nächsten Monaten wird uns AMS endgültig sagen können, ob diese Positronen ein Signal der Dunklen Materie sind", sagte Ting.