Wien. Wir sind losgeflogen, den Mond zu erkunden, aber tatsächlich haben wir die Erde entdeckt, bilanzierten US-Astronauten der Nasa nach den "Apollo"-Missionen. Erst 1972 wurde die erste Gesamtansicht unseres Blauen Planeten vom All aus aufgenommen. Heute umspannen wir ihn mit Satelliten-Netzen, ohne die seine Infrastruktur nicht mehr auskäme.

"Weltraumtechnik ist nichts Abgehobenes, sondern sie hat viel mit den Problemen auf dem Boden zu tun", sagte die für Weltraumangelegenheiten zuständige Ministerin, Doris Bures, vor Journalisten am Donnerstag. Satelliten messen die Eisschmelze, erfassen die Ausbreitung von Wirbelstürmen und könnten Feuerbrünste lokalisieren. Sie übertragen Fußballspiele, ermöglichen es, bis in die entlegensten Gegenden zu telefonieren, und liefern Daten zu Schneefällen im Winter, wodurch sich Autounfälle leichter vermeiden lassen. An den Technologien, die all dies ermöglichen, verdienen auch österreichische Unternehmen.

Obwohl im Budget der Sparstift regiert, will Bures ihre Mittel für die angewandte Forschung nicht kürzen. Die Verkehrsministerin plant, die Budgets für die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) stabil zu halten. Die Gelder für das nationale Weltraumprogramm ASAP (Austrian Space Applications Programme) sollen heuer sogar um 14 Prozent auf acht Millionen Euro steigen. Insgesamt investiert das BMVit 2014 66 Millionen Euro in Weltraumforschung und Weltrauminfrastruktur. "Der Auftrag, zu sparen, zieht an mir nicht vorüber", sagte Bures: "Aber wir können nicht dort ansetzen, wo wir positive Effekte für den Standort sehen, und Technologien sind entscheidend." Um den Sparauftrag dennoch zu erfüllen, würden sich die Aktivitäten des Ministeriums künftig in einem Haus konzentrieren. Weiters ist eine "Verschlankung der Strukturen, wo wir Eigentümervertreter sind" vorgesehen. Etwa werde es im mittleren Management von Mobilitätsunternehmen zu "Personalverschlankungen" kommen.

Obwohl sie die Forschungsmittel konstant halten kann, betonte Bures: "Das ist nicht genug." Man werde in der Legislaturperiode nicht umhinkommen, in der angewandten Forschung zusätzliche Impulse zu setzen. Das betreffe besonders die Informations- und Kommunikationstechnologien, die in der Weltraumforschung, der Mobilität und in den Produktionstechnologien benötigt werden. "Ich bin der Auffassung, dass die Bundesregierung bei Technologie und Innovation einen Turbo zuschalten muss", unterstrich die als "Weltraumministerin" fungierende Verkehrsministerin.

Bures will Raumfahrt zunehmend in den Mittelpunkt rücken. 2014 werde ein "spannendes Weltraumjahr." Im November soll die europäische Mission "Rosetta" erstmals auf einem Kometen landen - mit an Bord ist Technologie made in Austria. Im Dezember entscheidet die Europäische Raumfahrtbehörde ESA über den Bau eines neuen Trägerraketensystems. Auch hier kommen Experten aus den 114 einschlägigen heimischen Institutionen und Betrieben zum Zug. Gesucht werden zudem Ideen für neue österreichische Nanosatelliten. Vor allem Studenten sollen einreichen. Das Siegerprojekt soll den derzeit im All befindlichen Kleinsatelliten, "Tugsat-1" und "Unibrite", nachfolgen.

Neue EU-Förderungen

Wie all dies auf die Wirtschaft zurückwirkt, beschrieb Harald Posch, designierter Vorsitzender des ESA-Rats und damit deren künftiger Chefstratege, am Rande der Pressekonferenz der "Wiener Zeitung". Er nannte das Umweltbeobachtungsprogramm Copernicus, dessen erster Satellit vor genau einer Woche ins All gestartet ist. "Der Bau der insgesamt sieben Satelliten kostet Europa 1,5 Milliarden Euro und ihr Betrieb 150 bis 200 Millionen Euro im Jahr. Doch der wirtschaftliche Effekt ist viel größer", sagte Posch. So würden Satelliten eine Lawine registrieren. Danach aber seien die Dienste von Unternehmen, die die Kommunikation auch im Katastrophenfall mit einer speziellen Software ermöglichen, gebraucht. Auch würden EDV-Spezialisten benötigt, um die Daten aus dem Weltall zu organisieren. Um dieses Potenzial zu heben, fördert die EU in ihrem Programm "Horizon 2020" die Weltraumforschung mit 1,4 Milliarden Euro.