Nur Eingeweihte wissen, wie knapp man einer Katastrophe entgangen ist. Offiziell hat der 26-stündige Flug wie am Schnürchen geklappt. Die "meisterhafte Rückführung per Handsteuerung" wird sogar als Besonderheit gepriesen. Breschnew empfängt das Duo im Kreml, die Menschen am Roten Platz jubeln. Leonow ist nun ähnlich populär wie Juri Gagarin und Walentina Tereschkowa.

Weitere Woschod-Flüge sind geplant. Dabei will man die medizinischen Auswirkungen einer wochenlang andauernden Schwerelosigkeit prüfen und verschiedenste Experimente durchführen. Doch Leonows Ausstieg bleibt der letzte Triumph Moskaus im Wettlauf zum Mond. Schon im Juni 1965 verlässt der NASA-Astronaut Edward White die Gemini-4 und absolviert einen noch etwas längeren Außenbordeinsatz. Die Gemini-5 bleibt acht Tage im Orbit und überflügelt so erstmals den fünftägigen sowjetischen Flugrekord. Koroljow will das alles mit einer fast drei Wochen währenden Woschod-3-Mission toppen. Dazu muss das Lebenserhaltungssystem neuerlich erweitert werden; das dauert.

Die Woschod weist den alten Makel der Wostok auf: Sie ist manövrierunfähig, kann nicht von einem Orbit in den anderen wechseln. Die Gemini schon. Auch deshalb überträgt man die gesteckten Missionsziele nun lieber von der Woschod auf das flexible Sojus-Schiff. Im Oktober 1966 verschwindet die Woschod endgültig aus allen weiteren Überlegungen - nach nur zwei bemannten Einsätzen. Weil die Sojus mittlerweile schon drei Jahre im Verzug ist, bleiben sowjetische Kosmonauten nach Leonows Flug 25 Monate lang an den Boden gefesselt. Während dieser Zwangspause übernehmen die USA ganz klar die Führung.

Das erste Todesopfer

Am 23. April 1967 pilotiert Wladimir Komarow, der einstige Kommandant der Woschod-1, endlich den Jungfernflug der Sojus. Die pannenreiche Mission endet mit dem Versagen des Fallschirmsystems. Die Kapsel schlägt fast ungebremst nahe Orenburg auf. Komarow ist der erste Mensch, der während einer Weltraummission zu Tode kommt.

Pawel Beljajew, der Kommandant der Woschod-2, stirbt im Alter von 44 Jahren nach Komplikationen bei einer Magen-OP. Bordarzt Boris Jegorow übernimmt später die Leitung eines biomedizinischen Instituts. Der Ingenieur Konstantin Feoktistow plant an den Weltraumstationen Saljut und MIR mit. Er hält sich lange vergeblich für einen zweiten Flug bereit.

Alexei Leonow soll 1969 zum Mond fliegen, doch diese Mission findet nie statt. Sechs Jahre später schafft er es dennoch ein zweites Mal ins All: Im Rahmen des Apollo-Sojus-Testprojekts schüttelt er drei US-Amerikanern in der Umlaufbahn die Hand. Leonow ist heute der einzige noch lebende Kosmonaut des Woschod-Programms.

Christian Pinter lebt als freier Journalist in Wien und schreibt seit 1991 für die Wiener Zeitung. Internet: www.himmelszelt.at