• vom 13.12.2016, 16:23 Uhr

Raumfahrt

Update: 13.12.2016, 16:35 Uhr

Navigationssystem

Europas GPS geht an den Start




  • Artikel
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, AFP

  • Erste Dienste von Navigationssystem Galileo ab Donnerstag einsatzbereit

Paris. Mehr als 17 Jahre hat es gedauert, nun können die ersten Anwender das europäische Satelliten-Navigationssystem Galileo nutzen. Am Donnerstag gehen die ersten Ortungsdienste an den Start. Die große Mehrheit der EU-Bürger muss sich allerdings gedulden. Sie wird voraussichtlich erst ab 2020 mit Hilfe von Galileo eine Tankstelle finden können, eine Pizzeria oder die schnellste Route in den Urlaub.

"Zum ersten Mal können sich Menschen von den Galileo-Satelliten leiten lassen", sagte Lucia Caudet, Sprecherin der EU-Kommission, die das neue System gemeinsam mit der europäischen Weltraumagentur ESA im Auftrag der Mitgliedstaaten betreibt. Dafür ist allerdings ein Smartphone oder ein Navigationsgerät nötig, das mit einem speziellen Mikrochip ausgestattet ist. Die EU-Kommission rechnet damit, dass in den kommenden Jahren immer mehr Anbieter Galileo-kompatible Geräte auf den Mark bringen werden.

Konkurrenz zu GPS

Das System ist nach dem italienischen Astronomen Galileo Galilei benannt. Es soll dem US-Ortungsdienst GPS (Global Positioning System) Konkurrenz machen, der im Westen seit Jahren als Standard gilt. Galileo hat einen entscheidenden Vorteil: Es soll deutlich genauere Angaben ermöglichen als GPS.

Jean-Yves Le Gall, der Präsident der französischen Raumfahrtagentur CNES, formuliert es so: "Mit GPS weiß man, an welchem Ort sich ein Zug befindet, mit Galileo kann man sehen, auf welchem Gleis er steht." Technisch möglich wird dies durch die extrem präzisen Atomuhren, mit denen die europäischen Satelliten ausgestattet sind. Sie sollen eine exakte Ortung in Zeit und Raum auch dort erlauben, wo sie bisher unmöglich ist: etwa in Tunneln oder in Straßen mit sehr hohen Gebäuden.

Das ist allerdings Zukunftsmusik. Bisher sind nur 18 der rund 30 geplanten Galileo-Satelliten im All. Das Funksignal könnte anfangs noch "etwas ungenau" sein, heißt es von den Betreibern.

Am Beginn stand ein Streit

Lange Zeit konnte Galileo nur bescheidene Erfolge verbuchen. Die ersten Jahre des 1999 gestarteten Projekts waren vom Streit um die Finanzierung geprägt. Die geplante Beteiligung von Technologiefirmen scheiterte, die Kosten von bisher rund zehn Milliarden Euro werden daher vollständig aus dem EU-Haushalt finanziert. Immer wieder gab es Verzögerungen und Pannen bei der Satellitentechnik. Ob Galileo 2020 wirklich voll einsatzbereit sein wird, steht nach Ansicht von Kritikern buchstäblich in den Sternen.

Dabei werden Ortungsdienste im Alltag immer wichtiger. Künftig wird die Technologie sogar eine noch viel größere Rolle spielen. Selbstfahrende Autos sind das bekannteste Beispiel.

Galileo ist für die EU aber auch von strategischer Bedeutung. Das Projekt macht die Mitgliedstaaten unabhängig von militärisch kontrollierten Diensten wie GPS und Russlands Glonass. Beide können im Fall von Krisen abgeschaltet werden. Die europäische Satellitennavigation wird dagegen zivil gesteuert.





Schlagwörter

Navigationssystem, Galileo, GPS

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2016-12-13 16:24:34
Letzte ─nderung am 2016-12-13 16:35:54



Astronomie

Planetenjäger Tess im All

Tess ist mit vier Kameras ausgestattet. - © apa/Nasa Cape Canaveral. Das Weltraumteleskop Tess (Transiting Expoplanet Survey Satellite) ist nach zuletzt erfolgten Verzögerungen in der Nacht zum... weiter




Mission

Start von NASA-Weltraumteleskop "Tess" verschoben

20180417tess - © APAweb/AP/Space X Cape Canaveral. Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat den ursprünglich für die Nacht zum Dienstag geplanten Start des Weltraumteleskops "Tess" verschoben... weiter




Astronomie

Weltraumteleskop Tess beginnt die Suche nach Planeten

20180416tess - © APAweb, ap, SpaceX Wien. Auf der Suche nach Planeten in nahen Sonnensystemen wird das Weltraumteleskop Kepler, dem in wenigen Monaten der Treibstoff ausgehen wird... weiter




NASA

Weltraumteleskop "Tess" soll Planeten finden

20180412tess - © APAweb/AFP/NASA Washington. Tausende mögliche Exoplaneten hat das Weltraumteleskop "Kepler" in rund neun Jahren im All entdeckt. Jetzt geht ihm der Sprit aus... weiter




Geologie

Erdmagnetfeld zeigt die Periodik wie ein Herzschlag

Wien. Die Erde lebt - zu diesem Schluss könnte man kommen, wenn man sich das Magnetfeld der Erde in neuen Satellitendaten ansieht... weiter




NASA

Nachschub für die Raumstation

SpaceX Dragon - © NASA TV Die unbemannte Raumkapsel SpaceX Dragon hat die Internationale Raumstation ISS mit Nachschub beliefert. Wie die US-Raumfahrtbehörde NASA am Mittwoch... weiter




Osiris Rex

NASA plant Abwehr von potenziell gefährlichem Asteroiden

20180326nasa - © APAweb/AFP/NASA, Joel Kowsky Washington. "Bennu" bereitet der NASA schon länger Sorgen: Der Asteroid könnte auf der Erde einschlagen. Das würde - wenn überhaupt - zwar erst in... weiter




Exoplaneten

Kepler verstummt

- © Nasa/afp Wien. Kepler ist so etwas wie der Popstar der Weltraum-Teleskope. Seit seine Augen den Nachthimmel auf Planeten um andere Sterne prüfen... weiter




Mars-Mission

SpaceX-Rakete soll 2019 erste Strecken fliegen

20180312elon - © APAweb/AP, John Raoux Austin. Elon Musk will bereits im kommenden Jahr seine für Marsflüge gedachte Rakete auf kurzen Strecken ausprobieren lassen... weiter




Kosmische Nachbarschaft

Milchstraße so groß wie Andromedanebel

Die Milchstraße (rechts) wird doch nicht vom Andromedanebel geschluckt. - © ICRAR-UWA/Chris Power Wien. Die Entdeckung wirft ein neues Licht auf die kosmische Umgebung: Unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, ist nicht kleiner... weiter




Analogforschung

So wie auf dem Mars

Wie Raumschiffe zum Anziehen: Die Anzüge der Analog-Astronauten gelten als kleine Wunder der Technik. - © ÖWF/Florian Voggeneder Wien. "Wir sind auf dem Mars gelandet", zeigte sich Richard Tlustos am Donnerstag um 13 Uhr zufrieden. Und zwar ohne Rakete... weiter




Abflug

Musk lässt Superrakete "Falcon Heavy" fliegen

20180207Rakete - © APAweb/ SpaceX, Handout via Reuters Cape Canaveral. Die Großrakete "Falcon Heavy" des privaten US-Raumfahrtunternehmens SpaceX hat am Dienstag nach mehrstündiger Verzögerung zu ihrem... weiter




Raumstation

Kosmonauten verbesserten Funkkontakt zwischen ISS und Flugleitstelle

20180205isisisi - © APAweb, AFP Moskau. Zwei russische Kosmonauten haben mehr als acht Stunden lang Außenarbeiten an der Internationalen Raumstation ISS absolviert... weiter




Raumstation

US-Astronauten absolvierten Reparatureinsatz an der ISS

20180123iss - © APA, AFP, NASA Washington. Zwei US-Astronauten haben am Dienstag einen Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation (ISS) erfolgreich abgeschlossen... weiter




Weltraum

Astronauten sollen raus aus der nahen Erdumlaufbahn

20180117nasa - © APAweb, ap, NASA Paris. Die Europäische Weltraumorganisation ESA möchte ihre Astronauten künftig auch auf Missionen jenseits der Internationalen Raumstation ISS... weiter




Körpergröße

Astronaut produzierte "Fake News" über angebliches Rekordwachstum

20180110kanai - © APAweb/REUTERS, Kirill Kudryavtsev Tokio. Norishige Kanai, Besatzungsmitglied der Internationalen Raumstation hat sich mit selbst produzierten "Fake News" unnötig Sorgen um seine... weiter




Astronomie

Auch Rote Riesen brodeln

Wien. Auf der Sonne brodelt es: Millionen sogenannte Konvektionszellen - ähnlich den Turbulenzen in einem Topf mit kochendem Wasser - sorgen für einen... weiter




Astronomie

Maschinen entdecken Planeten

Datensätze des Kepler-Weltraumteleskops förderten einen achten Planeten zu Tage. - © Nasa Washington/Wien. Unser Sonnensystem mit seinen acht Planeten ist nicht mehr das größte seiner Art. Auch Kepler-90... weiter




Astronomie

Nebel verursacht auf dem Pluto klirrende Kälte

Santa Cruz. ie Atmosphäre des vor einigen Jahren vom Planeten zum Zwergstern degradierten Pluto ist von klirrender Kälte beherrscht... weiter




Raumfahrt

Vor 60 Jahren flog Laika ins All

20171102laika1 - © APAweb, afp, Tass Moskau. Vor 60 Jahren, am 3. November 1957, ist die Hündin Laika als erstes irdisches Lebewesen in einer Raumkapsel ins All geschickt worden - und... weiter





Werbung



Werbung


Werbung