• vom 17.10.2017, 10:27 Uhr

Raumfahrt

Update: 17.10.2017, 11:47 Uhr

Himmelspalast

Chinesisches Raumlabor stürzt "bald" ab




  • Artikel
  • Lesenswert (2)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von WZ Online, APA, dpa

  • Seit mehr als einem Jahr kreist "Tiangong 1" unkontrolliert um die Erde und verliert an Höhe und Experten warnen vor Trümmern.

Peking. Teile des 2016 außer Kontrolle geratenen chinesischen Raumlabors "Tiangong 1" werden nach Ansicht von Raumfahrtexperten wahrscheinlich bald auf der Erde einschlagen. "Ein Großteil des Labors wird in der Atmosphäre verglühen, aber einige besonders große Bestandteile, etwa die Treibstofftanks, könnten auch die Erdoberfläche erreichen", sagte der australische Raumfahrt-Fachmann Morris Jones.

Wo genau Teile einschlagen, sei zwar unmöglich vorherzusagen. "Das Risiko, dass Menschen oder Häuser getroffen werden, ist aber äußert gering." Im vergangenen Herbst war bekanntgeworden, dass China den 8,5 Tonnen schwere "Himmelspalast" nicht mehr steuern kann und er nach sechs Jahren im All und zahlreichen Experimenten unkontrolliert auf die Erde stürzen wird. Laut der Raumfahrtbehörde des Landes umkreist das Labor die Erde zunächst in immer niedrigerer Umlaufbahn und wird bis spätestens April 2018 in den Sturzflug übergehen.

Es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass Weltraumschrott auf Kollisionskurs mit der Erde geht. Das bisher größte Teil war die sowjetische Raumstation "Saljut 7", deren Bruchstücke 1991 auf Argentinien fielen - ohne dass Menschen getroffen wurden. Die USA scheiterte 1979 mit dem Plan, ihr ausrangiertes Forschungslabor "Skylab" über Südafrika niedergehen zu lasen: Es stürzte über Australien ab.

"Es ist zu hoffen, dass ausgedienten Satelliten und Stationen im All künftig mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird", sagte der US-Weltraumexperte Leonard David. Es müsse darüber nachgedacht werden, Weltraumschrott direkt im All zu recyceln, statt ihn weiter auf die Erde stürzen zu lassen.

China hatte "Tiangong 1" im September 2011 ins All geschossen, wo das Raumlabor über die Jahre sechs Kopplungsmanöver mit chinesischen Raumschiffen der "Shenzhou"-Reihe absolvierte. Seit vergangenem Jahr umkreist auch der Nachfolger der "Tiangong 1" die Erde. In dem neuen chinesischen Raumlabor können zwei Astronauten länger als im Vorgängermodell leben. Auch hat "Tiangong 2" eine höhere Ladekapazität und lässt sich erstmals auftanken.

Die Labore dienen der Vorbereitung für den Bau und Betrieb einer eigenen chinesischen Raumstation, die um 2022 fertig werden soll. Sollte die Internationale Raumstation (ISS) wie vorgesehen 2024 ihren Dienst einstellen, wäre China danach die einzige Nation mit einem permanenten Außenposten im All. Chinas Raumstation dürfte mit rund 60 Tonnen aber deutlich kleiner sein als die ISS mit ihren 240 Tonnen.

Neben einer eigenen Raumstation plant China in den kommenden Jahren gleich mehrere Ausflügen auf den Mond sowie eine Mission zum Mars.





Schlagwörter

Himmelspalast, Tiangong

Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2017-10-17 10:29:00
Letzte Änderung am 2017-10-17 11:47:06




Bilderstrecken

Mars

Suche nach Leben

Suche nach Leben Das Kürzel ExoMars steht für Exobiologie auf dem Mars, somit die Suche nach Leben.

Raumfahrtbilder

Die Welt aus Sicht der ISS

Die Welt aus Sicht der ISS



Werbung



Astronomie

Sternenstrom "gleich ums Eck" entdeckt

Wien. Auch in der Astronomie sieht man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht: Wiener Astrophysiker haben nun in unmittelbarer Nachbarschaft zum... weiter




Raumfahrt

Adieu, Opportunity!

- © Nasa Washington. (gral/apa) Am 10 Juni 2018 hat der Mars-Rover "Opportunity" zum letzten Mal die US-Raumfahrtbehörde Nasa angefunkt... weiter




Astrophysik

Astrophysiker planen Raumstation in Asteroiden

Wien. Es klingt nach Science-Fiction und doch haben Astrophysiker der Uni Wien ernsthafte Berechnungen darüber angestellt... weiter




Medien

Ist da draußen jemand?

Sie sind da. Und sie sind gar nicht gut drauf. "Independence Day", Samstag auf Sat1. - © Sat1 Kleine grüne Männchen, fliegende Untertassen und futuristische Technologien - wenn sich im restlichen Universum schon außerirdisches Leben tummelt... weiter




Raumfahrt

Weltraumschrott bedroht Satelliten

Weltraummüll in der Umlaufbahn über dem Äquator. - © ESA Darmstadt. (gral/apa) Rund 1500 bis 1600 Satelliten umkreisen zurzeit die Erde in ihrer Umlaufbahn. Schon in den nächsten Jahren dürften weitere... weiter




Wissenschaft und Diktatur

Forschung um jeden Preis

- © adobestock/jpgon He Jiankui war ein Paradeforscher im Reich der Mitte. Der Sohn eines Reisbauern absolvierte das Studium der Biophysik an der Universität für... weiter




Astronomie

Saturn hatte seine Ringe nicht von Anbeginn an

20190117nasa - © APAweb, Reuters, NASA/The Hubble Heritage Team Berkeley. (gral) Kurz bevor der Nasa-Orbiter Cassini im September 2017 in der Atmosphäre des Saturns verglüht war... weiter




Astronomie

Interstellarer Gast Oumuamua doch nicht so besonders

New Haven/Wien. (gral) Was ist das? Diese Frage stellten sich im Jahr 2017 Astronomen weltweit, als sich ein zigarrenförmiges Etwas aus einem anderen... weiter




Chang'e 4

Ein zartes grünes Pflänzchen auf dem Mond

YutuRabbit - © APAweb/China National Space Administration/CNS via Reuters Peking. Ein Baumwollsamen keimte in der Mondsonde "Chang'e 4", wie auf Fotos zu sehen ist, welche die Universität der südwestchinesischen Stadt... weiter




Leserbriefe

Leserforum

- © apa/dpa/Ingo Wagner Japans erfolgreiche Weltraummissionen Den wohl faszinierendsten Erfolg aller Zeiten errang Japan mit der Sonde "Hayabusa 1"... weiter




Raumfahrt

Der Hase auf dem Rücken des Mondes

- © CNSA Darmstadt. (dpa/est) Jan Wörner, der Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, plädiert für eine stärkere internationale Zusammenarbeit... weiter




Raumfahrt

Der "Jadehase" erkundet den Mond

20190104_jadehase_braust_los - © China National Space Administration (CNSA) via CNS / AFP Peking. China hat das Roboterfahrzeug seiner Mondmission in Betrieb genommen. Der "Jadehase 2" rollte am Donnerstagabend von der Landesonde "Chang'e... weiter




Leitartikel

Wettlauf ums Weltall

Leitartikel Seifert Thomas - © WZ Um 10.26 Uhr chinesischer Zeit (3.26 mitteleuropäischer Zeit) war die Sensation perfekt: Die nach der chinesischen Mondgöttin benannte Raumsonde... weiter




Raumfahrt

Die dunkle Seite der hellen Scheibe

20180103_mondlandung - © APAweb / China National Space Administration / AFP Beijing/Wien. Neuer Meilenstein der Raumfahrt: Chinas Raumfahrtbehörde CNSA ist nach eigenen Angaben die erste Landung einer Sonde auf der... weiter




Mondlandung

Hat der Mond auch eine dunkle Seite?

Peking. Die sogenannte Rückseite des Mondes galt lange als Mysterium, denn von der Erde aus ist sie nicht sichtbar... weiter




Mondlandung

Was auf dem Mond schon alles herumliegt

20190103Viele Dinge hat der Mensch bereits auf dem Mond hinterlassen - © APAweb / AFP, Nicolas Asfouri Peking. Urinbehälter, Feuchttücher, Golfbälle: Auf dem Mond liegen viele Dinge, die man dort nicht erwarten würde... weiter




Raumfahrt

China landet hinter dem Mond

Change4lunar - © APAweb/China National Space Administration/CNS via REUTERS Peking. Premiere in der Raumfahrt: China ist nach eigenen Angaben die erste Landung einer Sonde auf der erdabgewandten Seite des Mondes gelungen... weiter




Raumfahrt

Die Landung hinter dem Mond

Als Landeplatz ist der Aitken-Krater, hier von Apollo 17 aufgenommen, geplant. - © James Stuby/Nasa Wien. Wer von der Erde aus den Mond betrachtet, sieht stets dieselbe Seite. China will als erste Weltraumnation auf der für irdische Augen verborgenen... weiter




Weltall

Rendezvous am Ende der Welt

20190101nasa - © APAweb, Reuters, NASA/Johns Hopkins University Tampa/Washington. Der Nasa-Sonde "New Horizons" ist das am weitesten von der Erde entfernte Rendezvous mit einem Himmelskörper geglückt... weiter




Rückblick

1969 feiert seinen 50er

Von 15. bis 18. August 1969 fand in Woodstock das "Festival For Peace And Music" statt - eine Ideologie, die sich bald erledigt hatte . . . - © The Image Works / Visum / pictur Der 7. Mai 1969 war ein Mittwoch. Am Vormittag zeigte sich der Himmel über Wien grau in grau, und es nieselte. Die Hausfrau Elisabeth Chlumetzky hatte... weiter






Werbung