Ankara. In der Türkei ist der Weg zur umstrittenen Machtausweitung für Präsident Recep Tayyip Erdogan frei. Die Wahlkommission in der Türkei hat das "Ja"-Lager zum Sieger des Verfassungsreferendums erklärt. Die Zahl der "Ja"-Stimmen liege um gut 1,25 Millionen über jener der "Nein"-Stimmen, sagte Kommissionschef Sadi Güven am Abend in Ankara. Rund 600.000 Stimmen seien noch nicht ausgezählt. Endgültige Zahlen könnten nach Angaben der Wahlbehörde aber erst in elf bis zwölf Tagen bekanntgegeben werden.

Nach Auszählung von 99,45 Prozent der Stimmen stimmten 51,4 Prozent der Wähler mit Ja, wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete. Die "Nein"-Stimmen kamen demnach auf 48,6 Prozent. Oppositionsvertreter in der Wahlkommission bestätigten diese inoffiziellen Anadolu-Zahlen aber zunächst nicht. Dem Sender Habertürk zufolge lag die Wahlbeteiligung bei 86 Prozent.

Machtausbau steht bevor

Zuvor hatte sich bereits Präsident Recep Tayyip Erdogan selbst zum Sieger des Referendums erklärt. "Mit dem Volk haben wir die wichtigste Reform in unserer Geschichte realisiert", sagte Erdogan. Mit der Verfassungsreform will er seine Macht erheblich ausbauen.

Ministerpräsident Binali Yildirim verkündete offiziell den Sieg bei dem Referendum über die Ausweitung der Macht des Präsidenten. "Das Präsidialsystem ist nach nicht-offiziellen Ergebnissen mit einem Ja-Votum bestätigt worden", sagte Yildirim am Sonntagabend vor Anhängern in Ankara.

Wahlbehörde weist Vorwürfe zurück

Nach dem knappen Ausgang beim Verfassungsreferendum hat die Wahlbehörde Einwände der Opposition gegen die Abgabe nicht abgestempelter Stimmzettel zurückgewiesen. Diese Stimmen seien gültig, sagte Amtschef Sadi Güven am Montag in Ankara.

Die kurzfristige Entscheidung, diese nicht verifizierten Wahlzettel bei der Abstimmung am Sonntag zuzulassen, sei noch vor Eingang der Ergebnisse im System gefallen. Zudem habe die Regierung schon in früheren Fällen einen solchen Schritt erlaubt.

Manipulationsvorwurf

Die beiden größten Oppositionsparteien CHP und HDP zogen die Legitimität der Abstimmung in Zweifel und forderten eine Neuauszählung von zwei Drittel der Stimmzettel, da es Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Es gebe Hinweise auf eine "Manipulation der Abstimmung in Höhe von drei bis vier Prozentpunkte", erklärte die prokurdische HDP.