Wien. Die aneinandergereihten neun- bis zwölfgeschoßigen grauen Wohnblöcke des Olof-Palme-Hofes erinnern an eine Festung. Eine Festung, die Klischees und Vorurteile entfacht. Sozialer Brennpunkt und der ungelöste Mordfall an der zehnjährigen Christina Beranek im Februar vor 30 Jahren haben sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt - und zwar von jenen, die noch nie einen Blick hinter den Olof-Palme-Hof geworfen haben und die Per-Albin-Hansson-Siedlung nur aus der Ferne kennen. Denn wer hier wohnt, möchte nicht mehr weg. Wie Adolf Repa. Der heute 67-Jährige ist hier geboren. "Ich habe mit einigen Unterbrechungen immer in der Hansson-Siedlung gelebt. Ich bin in der alten Siedlung aufgewachsen und wohne jetzt seit 20 Jahren wieder hier. Ich wollte immer wieder zurück", sagt er.

Mit "alter Siedlung" meint Repa die Per-Albin-Hansson West - der erste Teil des heute 1,5 Millionen Quadratmeter großen Stadtteils am Südhang des Laaer Bergs. 1947 erfolgte der Spatenstich, 1951 wurde die erste große Wohnhausanlage nach dem Zweiten Weltkrieg den Mietern übergeben. Die Maschinen, die aus dem Schutt die Ziegel pressten, kamen von Schweden. Als Dank dafür wurde die Siedlung nach dem schwedischen Ministerpräsidenten Per Albin Hansson (1855-1946) benannt.

Die 1093 Wohnungen - davon 662 Einfamilienhäuser - erinnern an ein Dorf. Und das ist heute noch so. "In den 1950er und 1960er Jahren wollte niemand hier wohnen. Wenn damals jemand von der Hansson-Siedlung gesprochen hat, hat er dort unten gesagt. Bei uns war Gstettn, Wiesen und Felder und sonst nichts", erinnert sich Adolf Repa. Für die Kinder sei es ein Paradies gewesen. "Meine frühesten Kindheitserinnerungen verbinde ich mit Freiheit." Die Per-Albin-Hansson-Siedlung West wurde wie der Karl-Seitz-Hof in Floridsdorf nach dem Konzept der Gartenstadtbewegung der 1920er Jahre errichtet. Einstöckige Reihen- und dreigeschoßige Wohnhäuser - gebaut auf Ackerland in einiger Entfernung zur Stadt - mit großzügig angelegten Grünflächen und Gärten. Nur 2,7 von den 30 Hektar waren verbaut. Die Gärten waren für die Selbstversorgung angelegt. Es gab einen strikten Pflanzenplan sowie strenge Gartenkontrollen. Jeder musste einen Zwetschken-, einen Kirsch- und zwei Marillenbäume haben. Nussbäume und Holler sowie Löwenzahn waren verboten.

Treue Bewohner der Per-Albin- Hansson-Siedlung (v.l.n.r.): Norbert Hofer, Roswitha Abdalla, Adolf Repa.
Treue Bewohner der Per-Albin- Hansson-Siedlung (v.l.n.r.): Norbert Hofer, Roswitha Abdalla, Adolf Repa.

"Es war nicht schlecht, hier zu wohnen. Die Wohnung meiner Großmutter war ausgebombt und sie war sehr glücklich, in die Per-Albin-Hansson-Siedlung ziehen zu können, wo sie ein eigenes WC und Wasser in der Wohnung hatte. Ein Badezimmer gab es nicht, sondern nur einen Waschraum", erinnert sich Adolf Repa.