Der russisch-orthodoxe Moskauer Patriarch Kyrill I. hat vieles mit Wladimir Putin gemeinsam. Beide sind in Leningard, heute St. Petersburg, geboren. Und beide haben in Sowjetzeiten für den Geheimdienst KGB gearbeitet. Während Putin aus dieser Vergangenheit nie ein Geheimnis gemacht hat, belasten Kyrill Dokumente aus den Archiven. Geäußert hat sich der 75-Jährige nie dazu, doch offenbar war er der Mitarbeiter "Michailow". Das erklärt auch, warum ihm schon zu Sowjetzeiten ein hoher Aufstieg in der Orthodoxie möglich war, als er Erzbischof von Smolensk und Kaliningrad wurde.

Dabei entstammt Kyrill einer Familie, die unter den Repressalien der Sowjetunion litt. Schon sein Vater war Priester - und wurde in der Stalin-Ära drei Jahre in den Gulag verschleppt.

Sein Sohn, dessen bürgerlicher Name Wladimir Michailowitsch Gundjajew lautet, hat aber die orthodoxe Kirche so nahe an den Staat herangeführt, wie es seit dem Zarenreich nicht mehr der Fall war. Kyrill selbst spricht dabei von einer "Symphonie" von Staat und Kirche.

Dabei ist der Patriarch schon lange ein treuer Diener Putins: Er bezeichnete dessen Präsidentschaft schon einmal als "Wunder Gottes", kritisierte die Opposition und rief zur Wahl von Putin auf. Dieser gewährte der Kirche wiederum Zuwendungen, wovon die zahlreichen wiederaufgebauten oder in neuem Glanz erstrahlenden Kirchengebäude zeugen.

Auch weltbildlich steht Kyrill dem Kreml und mit dem Regime verwobenen Ideologen wie dem Philosophen Alexander Dugin sehr nahe: Der Kirchenmann ist erzkonservativ, antiliberal und antiwestlich eingestellt. Der Westen fördere mit seinen Rechten für Homosexuelle die Sünde, zerstöre mit Strömungen wie dem Feminismus die Familie, was wiederum das Heimatland zu vernichten droht.

Mit entsprechend nationalistischen Tönen verteidigt er auch den Ukraine-Krieg, dem er einen religiösen Überbau verleiht: Dieser sei ein "metaphysischer Kampf des Guten gegen das Böse", predigt er. Russland stehe aufseiten des Lichts und will die Ukrainer vor teuflische Einflüsse des Westens schützen, der die Ukrainer Gay-Paraden aussetze wolle und sie gegen das russische Brudervolk aufhetze.

Anrecht auf eine Eigenstaatlichkeit spricht Kyrill den Ukrainern ab. Vielmehr predigt er das Konzept der "Russki Mir", der "Russischen Welt", wonach Russen, Ukrainer und Weißrussen ein Volk seien. Das entspricht wiederum ganz den imperialen Ambitionen Putins.

Innerhalb der christlichen Kirchen gerät Kyrill deshalb in Isolation: Die katholische Kirche zeigte sich "erschüttert", und die ukrainisch-orthodoxe Kirche, die dem Moskauer Patriarchat unterstellt war, hat sich losgesagt.

Privatvermögen wird auf vier Milliarden Dollar geschätzt

Und für die EU war Kyrills Unterstützung für den russischen Angriffskrieg der Grund, ihn zunächst auf die Sanktionsliste zu setzen, womit sich aber Ungarn nicht einverstanden zeigte. Verarmen wird Kyrill so oder so nicht: Er wird auch "Tabak-Patriarch" genant, weil er, als der Kirche nach dem Ende der Sowjetunion wieder Geschäfte erlaubt wurden, mit Tabak und Öl gehandelt haben soll. Zu seinen Besitztümern zählen laut russischen Investigativjournalisten eine Penthousewohnung und eine Mercedes-Luxuslimousine. Sein Privatvermögen beträgt demnach vier Milliarden Dollar. (klh)