London/Kiew. Der bevorstehende Winter wird die Kämpfe in der Ukraine nach britischer Einschätzung massiv beeinflussen. "Veränderungen bei Tageslichtstunden, Temperatur und Wetter bedeuten einzigartige Herausforderungen für die kämpfenden Soldaten", teilte das Verteidigungsministerium in London am Montag mit. "Alle Entscheidungen, die der russische Generalstab trifft, werden teilweise vom Einbruch des Winters abhängig sein."

Weil die Tageslichtstunden deutlich abnehmen, werde es weniger Offensiven und dafür mehr statische Verteidigungslinien geben. Die Winterbedingungen mit mehr Regen und Schneefall führten zu Kälteverletzungen und würden die ohnehin schon niedrige Moral der russischen Streitkräfte vor zusätzliche Herausforderungen stellen, so das Ministerium weiter. Sie bedeuteten aber auch Probleme für die Wartung der Ausrüstung. "Grundübungen wie die Waffenreinigung müssen den Gegebenheiten angepasst werden, und das Risiko von Waffenfehlfunktionen steigt", hieß es in London. Gleichzeitig betonte die Behörde, dass auch ukrainische Soldaten von den Konditionen betroffen seien.

Das Verteidigungsministerium in London veröffentlicht seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar unter Berufung auf Geheimdienstinformationen täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Damit will Großbritannien der russischen Darstellung entgegentreten und Verbündete bei der Stange halten. Moskau wirft London eine Desinformationskampagne vor.

EU-Mission für die Ukraine

Unterdessen sind die EU-Außenminister in Brüssel zusammengekommen, um eine militärische EU-Ausbildungsmission für die Ukraine (EUMAM) zu beschließen. Dabei sollen rund 15.000 ukrainische Soldaten in Deutschland, Polen und anderen EU-Ländern ausgebildet werden. Österreich beteiligt sich finanziell, aber nicht militärisch. Die Mission werde in ein paar Wochen betriebsbereit sein, sagte der EU-Außenbeauftragte, Josep Borrell.

Zum weiteren Umgang mit Russland meinte Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg, es dürfe keine Straflosigkeit für Gräueltaten geben. "Wir reden hier von Kriegsverbrechen. Wir reden von Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Die müssen aufgeklärt werden." Österreich unterstütze die internationale Untersuchungskommission des Menschenrechtsrates ebenso wie den Internationalen Strafgerichtshof. Auf die Frage nach Friedensverhandlungen sagte Schallenberg: "Ich glaube es ist momentan nicht die Zeit." Letztlich werde die Entscheidung in Kiew und in Moskau getroffen.