Zum Doyen reicht’s altersmäßig noch nicht, aber Wolfgang Rihm ist in jedem Fall eine Instanz im Komponieren unserer Tage. Man weiß, wo man ihn verlässlich antrifft: Er ist ja nicht nur Urlaubsgast im Austragshäusl der Postmoderne, sondern hat es zum festen Wohnsitz gewählt.

Ein Festival (die Salzburger Festspiele) und zwei Orchester (das Gustav Mahler Jugendorchester und das National Symphony Orchestra, Washington D.C), haben zusammengezahlt für eine Auftragskomposition. So kann man sich ein großes Stück des Großen schon leisten. Wolfgang Rihms Zweites Klavierkonzert wurde am Montag im Großen Festspielhaus uraufgeführt. Der Pianist Tzimon Barto hat damit ein Stück in den Fingern, das er jederzeit gut hören lassen kann. Mit einem besinnlichen, eher langsamen Satz hebt es an, Solopart und der reich aufgefächerte, von einprägsamen Holzbläsersoli durchzogene Orchestersatz sind sehr eng miteinander verwoben sind. Fast neoklassizistisch pulsiert der Rhythmus im ausladenden "Rondo". Das ist nicht der einzige Rückgriff auf die Tradition, mit der Rihm in jeder Hinsicht formvollendet umgeht, ohne sich ernsthaft dem Vorwurf des Eklektizismus auszusetzen. Viel herzlicher Beifall für den Solisten und den Komponisten.

Nach der Pause die "Siebente", als vorletzte Pflichtübung im Bruckner-Symphonienzyklus der Festspiele. Kurz gesagt, frei nach Qualtinger: Christoph Eschenbach gegen Bruckner, das ist Brutalität. Nach zehn Uhr abends sollte man sich solch musikalischem Schrecken eigentlich nicht mehr aussetzen, es drohen böse Träume.