• vom 15.08.2017, 15:50 Uhr

Salzburger Festspiele

Update: 15.08.2017, 15:55 Uhr

Konzertkritik

Ton-Rausch zu Ferragosta




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Von Reinhard Kriechbaum


    Riccardo Muti und die Wiener Philharmoniker: Das gehört in Salzburg zusammen, als Symbiose zwischen Hoch-, nein, Höchstkultur und tourismusnahem Brauchtum. Sechstausend Augen- und Ohrenpaare im Großen Festspielhaus. Da darf man nicht kleckern, bei Brahms durchaus klotzen. Yefim Bronfman hat vielleicht nicht mehr alle ganz schnellen Noten des Zweiten Klavierkonzerts B-Dur op.83 punktgenau in den Fingern, aber die große Geste, die hat er drauf. Zwei etwas pauschal und dicklich angelegte Sätze lang rauschte es dahin, Muti bremste die Philharmoniker auch nicht ein: Brahms von der kompakteren Seite. Wenn im Andante das Solocello und bald die Solo-Oboe singen, packte Muti der Ehrgeiz und man brachte das Allegretto grazioso zu einem beinah schon duftig-musikantischen Ende. Irgendwie war der flinke Muti aber auch da gelegentlich schneller mit seinen Phrasen fertig als der Pianist. Trotzdem Jubel, was denn sonst?

    Deutlich ambitionierter wirkte Tschaikowskys "Vierte". Muti achtete sorgsam, dass in den ersten beiden Sätzen die latente Traurigkeit nicht in abgrundtiefen Weltschmerz ausartete. Wo nur irgendmöglich, ein kräftiger Schuss positives Denken! Das fällt nicht schwer, wenn man das Blech so offensiv sich exponieren lässt. Melancholie in vielen berückenden Holzbläser-Zwischentönen trotzdem, umso draufgängerischer und treibender das Pizzicato-Scherzo, in dessen Mittelteil nicht nur die Piccoloflöte keck loslegen durfte.

    Information

    Konzert

    Wiener Philharmoniker

    Großer Festspielsaal

    Und das Finale? Da waren wir endgültig in einer Verdi-Erzählung, einem Triumphmarsch, der in etwa so russisch wirkte wie jener in der "Aida" orientalisch.





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
    Dokument erstellt am 2017-08-15 15:54:03
    Letzte ńnderung am 2017-08-15 15:55:56




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