• vom 23.08.2017, 17:05 Uhr

Salzburger Festspiele

Update: 18.07.2018, 16:02 Uhr

Nachlese 2017

Behutsame Ambitionen




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Von Petra Paterno

  • Die Bilanz des Schauspielprogramms der Salzburger Festspiele fällt durchwachsen aus: Hohe Ansprüche, nicht ganz geglückte Umsetzungen.

Jedermann: Stefanie Reinsperger, Tobias Moretti.

Jedermann: Stefanie Reinsperger, Tobias Moretti.© apa/Barbara Gindl Jedermann: Stefanie Reinsperger, Tobias Moretti.© apa/Barbara Gindl

Salzburg. Die größte Überraschung des diesjährigen Schauspielprogramms war der "Jedermann". Hofmannsthals Knittelversdrama, das seit Beginn der Salzburger Festspiele anno 1920 alljährlich über den Domplatz (bzw. Festspielhaus) lärmt, wurde in diesem Jahr grundlegend erneuert. Im Rekordtempo - die Vorbereitungszeit belief sich auf knapp drei Monate - entwickelte Regisseur Michael Sturminger mit den Hauptdarstellern Tobias Moretti und Stefanie Reinsperger einen erstaunlich modern-unaufgeregten Jedermann. Mysterienspiel trifft Regietheater. Allerdings schrumpfte das Großereignis am Domplatz dabei auf handelsübliche Stadttheaterdimensionen. Die Kritik reagierte gespalten, das Publikum nahm die Reformen dem Vernehmen nach jedoch positiv auf.

Bettina Hering verantwortet unter Intendant Markus Hinterhäuser erstmals das Schauspielprogramm in Salzburg. Die 57-jährige Schweizerin leitete zuvor das Landestheater Niederösterreich und ist bei den Festspielen die erste Frau in einer künstlerischen Führungsposition. Traditionell steht das Schauspiel im Windschatten des opulenten Musiktheaters. Das war auch im Sommer 2017 nicht anders.


Herings Programm war ambitioniert und behutsam: Mit Karin Henkel, 46, ("Rose Bernd") und Andrea Breth, 64, ("Die Geburtstagsfeier") waren zwei der bemerkenswertesten Regisseurinnen des deutschsprachigen Theaters geladen. Bedauerlicherweise konnten beide Inszenierungen nicht rundweg überzeugen.

Breths übergenaue Pinter-Interpretation kommt diesen Herbst am Burgtheater heraus, in Hamburg kann man in der kommenden Spielzeit eine fulminante Lina Beckmann als Rose Bernd bewundern.

Das US-Künstlerduo "600 Highwaymen" übersetzte Ödön von Horváths Arbeitlosendrama "Kasimir und Karoline" mit einem Laientrupp in die Gegenwart, damit rückte Hering die Position des partizipativen Bühnenspiels in den Festspiel-Fokus. Konzeptionell interessant, blieb die Ausführung allerdings unter den Erwartungen.

Ähnliches gilt auch für das Theaterdebüt der griechischen Filmregisseurin Athina Rachel Tsangari. Sie besetzte Wedekinds "Lulu" mit drei Protagonistinnen, vermochte diesen Coup in ihrer Inszenierung auf der Perner-Insel indes nicht zu begründen.

Schauspiel-Chefin Hering wollte unterschiedliche Regiehandschriften und divergierende künstlerische Positionen des Gegenwartstheaters präsentieren. Das ist auch gelungen. Ein großes Theaterereignis blieb leider aus. Vielleicht 2018?




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-08-23 17:09:09
Letzte Änderung am 2018-07-18 16:02:10



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