• vom 23.08.2017, 17:06 Uhr

Salzburger Festspiele

Update: 18.07.2018, 15:02 Uhr

Nachlese 2017

Glanzlichter aus der Dunkelheit




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Von Christoph Irrgeher

  • Auf Markus Hinterhäuser lasteten große Erwartungen - der neue Salzburg-Intendant hat sie weitgehend erfüllt. Eine Bilanz.

Intensive Machtdramen in der Salzburger Felsenreitschule: Golda Schultz im "Titus" (l.), Gerald Finley und Anna Prohaska in "Lear" (r.).

Intensive Machtdramen in der Salzburger Felsenreitschule: Golda Schultz im "Titus" (l.), Gerald Finley und Anna Prohaska in "Lear" (r.).© apa/Barbara Gindl Intensive Machtdramen in der Salzburger Felsenreitschule: Golda Schultz im "Titus" (l.), Gerald Finley und Anna Prohaska in "Lear" (r.).© apa/Barbara Gindl

So unauffällig Markus Hinterhäuser für gewöhnlich durch die Salzburger Altstadt schleicht: Die Brust des Neo-Intendanten dürfte in den Vortagen geschwollen sein. Niemand geringerer als "The New Yorker", ein Prestigeblatt aus dem Big Apple, attestierte ihm eine Glanzleistung: In seinem ersten Leitungsjahr würde Hinterhäuser die "europäische Elite fordern", er beschere dem verkrusteten Festspielbetrieb ein "Wieder-Erwachen".

Nun muss man dieses Lob ein wenig relativieren: Es beruht nämlich nicht auf einer Betrachtung des gesamten Festspielsommers, wie dies der Erscheinungstermin des Artikels (Ende August) nahelegt. Das Lob basiert allein auf der ersten Opernpremiere, dem "Titus". Und der fand hierzulande keine ungeteilte Zustimmung: Zu plakativ habe US-Regisseur Peter Sellars das Werk in eine heutige Terrorzone überführt, zu hemdsärmelig sei Dirigent Teodor Currentzis mit seinen Eingriffen vorgegangen, zürnten Gegner. Befürworter lobten den Abend indes als Wunder an Intensität und Gegenwartssinn.


Vom Avantgarde-Kopf zur Sehnsuchtsfigur
Was Hinterhäuser jedenfalls mit seiner ersten Premiere gelungen ist, was der "New Yorker" ganz richtig sieht: An diesem Mozart-Abend ging es um einen Blick über den kulinarischen Tellerrand der Hochkultur hinaus, hier ging es, kurz gesagt, um Relevanz im Hier und Jetzt. Genau das hatte man vom neuen Chef erwartet.

Wir erinnern uns: Ab den 90ern war er an der Salzach immer wieder als gegenwartsfreudiger Programmmacher aktiv. Als Intendant Gerard Mortier damals die Zeichen auf Experiment stellte, leistete der studierte Pianist mit der Schiene "Zeitfluss" Beihilfe. 2007 bis 2011 firmierte er dann als Konzertchef des Festivals, im letzten dieser Jahre als Übergangsintendant. Bei seinem Abschied schien er verankerter in der Mozartstadt denn je: Hinterhäuser, so gab die Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler damals nicht nur ihrer Hoffnung Ausdruck, würde doch eines Tages vielleicht wiederkommen . . ? 2013 war dies tatsächlich paktiert und Hinterhäuser für die Zeit ab 2017 als Intendant gebucht - zum allgemeinen Jubel.

Das Salzburger Publikum im Bann eines Mannes der - Moderne? Tatsächlich. Wobei man anmerken muss: Ein Stahlhelm-Avantgardist war Hinterhäuser nie. Und: Er weiß um eine gewisse Bringschuld gegenüber Publikumsinteressen. Auf dem Salzburger Chefsessel brauche es auch eine "kluge Form des Pragmatismus", sagte er heuer im Interview mit der "Zeit". Seine Handschrift müsse erkennbar bleiben, aber: "Es sind die Salzburger Festspiele, nicht meine persönlichen." All diese Qualitäten - nicht zu vergessen die sanfte Verbindlichkeit, mit der Hinterhäuser im Gespräch Wertschätzung signalisiert - speisen die Popularität dieses Klangkurators.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-08-23 17:13:09
Letzte Änderung am 2018-07-18 15:02:18



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