Frank Castorf kommt mit "Hunger" nach Salzburg. - © Thomas Aurin
Frank Castorf kommt mit "Hunger" nach Salzburg. - © Thomas Aurin

Salzburg. "So einen biederen, völlig weihelosen ,Jedermann' gab es schon lange nicht mehr", urteilte im Vorjahr die "FAZ" über Michael Sturmingers Neuinszenierung des Traditionsstücks mit Tobias Moretti und "Buhlschaft" Stefanie Reinsperger, während die "NZZ" "ein beinahe leises, mutig säkulares Kammerspiel" ortete. So uneins die Kritik in ihrer Bewertung des Versuchs war, dem salbungsvollen Bekehrungsstück das Katholische auszutreiben, so einig war man sich darüber, dass dem Regieeinspringer kein großer Wurf gelungen war und dass dessen Haltbarkeitsdatum wohl vor dem 100-Jahr-Jubiläum 2020 auslaufen werde. Für heuer ist nicht nur eine neue Musik (Wolfgang Mitterer ersetzt Matthias Rüegg), sondern auch die merkliche Veränderung einiger Szenen sowie der Tischgesellschaft angekündigt. Eine kurzfristige Umbesetzung im ansonsten gleichen Ensemble wurde erst vor wenigen Tagen bekannt: Martina Stilp übernimmt von Eva Herzig die Rolle "Des Schuldknechts Weib".

 Kleists "Penthesilea"

Eine Woche später zeigt man im Landestheater ein Stück, das ideal zum Festspielmotto "Passion, Ekstase, Leidenschaft" passt: Heinrich von Kleists Trauerspiel "Penthesilea" präsentiert sich in Johan Simons' Regie jedoch in ganz ungewohnter Manier: als Zwei-Personen-Stück. Alles ist fokussiert auf Penthesilea und Achilles. "Duell und Duett. Zwei Menschen zwischen Trugspiel und Wahn, zwischen Traum und Wahrheit, zwischen Krieg und ewigem Frieden, zwischen Exzess und Erkenntnis", wirbt Dramaturg Vasco Boehnisch für seine Textfassung. Erlesen ist die Besetzung: Die Titelrolle spielt Sandra Hüller, die im Kino nach ihrem Erfolg mit "Toni Erdmann" kürzlich auch in der Großmarkt-Lovestory "In den Gängen" bezauberte, Achilles ist Jens Harzer, vor zwei Jahren ein eindrucksvoller Caliban im "Sturm" auf der Pernerinsel.

Dort darf sich heuer Frank Castorf austoben. Der Ex-Volksbühnen-Intendant, der kürzlich am Residenztheater München einen doppelten "Don Juan" auf die Bühne brachte, erlebt als freier Regisseur mit 66 Jahren seinen x-ten Frühling. Auf Herings Vorschlag widmet er sich Knut Hamsuns Roman "Hunger" und packt zu dieser wahren Passions- und Leidensgeschichte auch noch das zwei Jahre später erschienen Sequel "Mysterien" mit dazu. Ab 4. August gibt es bei der Umsetzung des streams of consciousness, der Literaturgeschichte geschrieben hat, ein Wiedersehen mit zahlreichen Protagonisten des ehemaligen Volksbühnen-Ensembles, darunter der ehemaligen Buhlschaft Sophie Rois.