Trostspender Dirigent Philippe Herreweghe. - © Sbg.Festsp./M. Borrelli
Trostspender Dirigent Philippe Herreweghe. - © Sbg.Festsp./M. Borrelli

"Ich kann mir ihre Aufführung am besten in einer Kirche vorstellen", sagte Galina Ustwolskaja über ihre eigenen Kompositionen. Es durchzöge sie nämlich ein spiritueller Geist. Wie sehr ein Kirchenraum die Musiken von Ustwolskaja verändert, ja auf welche Weise die Kollegienkirche selbst zu einem prägenden Mitaufführenden dabei wurde, zeigten die Salzburger Festspiele am Montag.

Im Rahmen des Schwerpunktes, der um die russische Musikerin konzipiert ist, spielte das Klangforum Wien Kammermusikstücke. Ustwolskajas Hang zum Erkunden der Extreme zeigt sich in ihrer Komposition Nr. 1 bereits in der Instrumentierung: Neben dem zentralen Klavier (sehr präsent: Marino Formenti) ist es für Piccoloflöte und Tuba komponiert. Mit sich verdichtenden Wiederholungen und herben Grenzgängen, aber auch mit Klängen, die dabei sind, sich geheimnisvoll in sich selbst zurückzuziehen, ließen die drei Musiker einen insistierenden und intensiven Klangkosmos entstehen. Bei Komposition Nr. 2 für acht Kontrabässe, Klavier und Holzwürfel war es vor allem die hämmernde (ja, mit dem Hammer) Rhythmik, die die Klangmacht Ustwolskajas beschwor - und die sich im hohen Kirchenschiff imposant verstärkte und nachdröhnte.

Den Trost, den man nach dieser rohen wie isolierten Dosis an Klangdirektheit durchaus vertragen hätte können, ihn lieferten Chor und Instrumentalisten des Collegium Vocale Gent quasi auf Vorrat im ersten Teil des Konzertes. Weit ausschweifende Verzierungen, absolute Klangvollkommenheit, zart in den Bögen des Kirchenraumes schwebende Obertöne, doppelchörige Fugen, kunstvolle Soli, die im vielstimmigen Chor aufgefangen werden: Seelenvoller kann man Heinrich Schütz‘ "Musikalische Exequien" nicht musizieren als unter der Leitung von Philippe Herreweghe. Dass es sich um Trauermusik handelt, verwundert heute, ob der ausgiebig zelebrierten kommenden (himmlischen) Freuden.