Salzburg Es ist, als hätte er Mozart unter Strom gesetzt. Unter hochfrequenten Wechselstrom. Schon die Ouvertüre ist knallig furios. Die Töne, sie wirken wie kurz angerissen und sofort wieder fallen gelassen. Kein Verweilen, kein Entfalten von Klang. Doch was sich als musikalisch rasante Lesart unter Hochspannung erweisen hätte können, es entpuppt sich letztlich als musikalische Kurzatmigkeit.

Dirigent Constantinos Carydis versucht Mozart mit den Wiener Philharmonikern gegen den Strich zu bürsten und nimmt die "Zauberflöte" dazu an die ganz kurze Leine. Freilich: Sein Antupfen und Weiter-Eilen fegt den Ballast der Aufführungspraxis weg, legt manches Detail frei, verpasst mancher Phrase eine überraschend erfrischende Farbe. Was übrig bleibt, erinnert jedoch an ein kaum lebensfähiges Gerippe. Viel Platz hat Mozart nicht, um sich auf den Noten niederzulassen, in der theatral zelebrierten Leere dazwischen auch nicht.

Kein satter Klangteppich

Die starken Akzentuierungen, abrupten Dynamiken und Reduktionen gehen aber nicht nur auf Kosten des Gesamtklanges, vor allem die Sänger haben mit ihnen zu kämpfen. Kein satter orchestraler Teppich, der sie trägt, keine Bögen, an die sie sich schmiegen könnten. Natürlich ließen sich auch die Dimensionen des Großen Festspielhauses dafür verantwortlich machen - gibt es in Salzburg nicht ein eigenes, auch so heißendes Haus für Mozart? Das Band zwischen Bühne und Graben, es ist jedenfalls angespannt und filigran - es wird im Laufe der Premiere am Freitag auch einige Male reißen.

Die Sängerinnen und Sänger sind fast ohne Ausnahme vokal gesehen gegen den Typ besetzt, zumindest jedoch untypisch. Christiane Karg ist eine herbe, gar nicht lyrische Pamina. Ebenso wie Mauro Peter als Tamino, dessen Tenor zwar über Kraft verfügt, nicht aber über Schmelz und Leichtigkeit. Warum Matthias Goerne, einer der wunderbarsten Singschauspieler überhaupt, sich als Sarastro hat verpflichten lassen, bleibt rätselhaft. Es ist schlicht nicht sein Stimmfach, er markiert die Partie auch mehr, als sie zu singen. Albina Shagimuratova als Königin der Nacht ist zumindest souverän. Einzig Adam Plachetka ist als solider Papageno eine zumindest gute Wahl. Ein neues Salzburger Mozart-Ensemble wächst hier nicht heran. Sängerisch herausragend sind einzig die drei Wiener Sängerknaben, die hörbar im Terzett singen.