• vom 05.08.2018, 16:30 Uhr

Salzburger Festspiele

Update: 06.08.2018, 09:26 Uhr

Salzburger Festspiele

Große Namen, fein verknüpft




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Von Judith Belfkih

  • Festspiele begeistern mit einem virtuos feinfühligen Pianisten und einem beinahe szenischen Liederabend.

Feine Lieddramaturgie: Diana Damrau und Jonas Kaufmann.

Feine Lieddramaturgie: Diana Damrau und Jonas Kaufmann.© Salzburger Festspiele, Marco Borrelli Feine Lieddramaturgie: Diana Damrau und Jonas Kaufmann.© Salzburger Festspiele, Marco Borrelli

Um so etwas wie eine Salzburger Dramaturgie im diesjährigen Festspielprogramm auszumachen, lohnt ein Blick in das Konzertprogramm. Am Wochenende ließen sich dabei einige spannende Rote Fäden aufgreifen, mit denen Intendant Markus Hinterhäuser seine zweite Saison durchzogen hat. Was den jüngsten Konzerten gemein ist: Sie wurden von namhaften Künstlern bestritten, die so manchen breit getretenen Repertoire-Pfad verließen. Den ganz besonderen Reiz gab manches Detail erst auf den zweiten Blick preis.

Am Sonntag bei den Wiener Philharmonikern war dieser unverhoffte Faden der zwischen Richard Strauss und Béla Bartók. Letzteren hat die Erstaufführung von Strauss’ Tondichtung "Also sprach Zarathustra" in eine Komponierflut gestürzt. Wie verwandt die höchst unterschiedlichen Klangwelten der beiden Giganten einander doch sind, zeigte im Festspielhaus Esa-Pekka Salonen. Den "Zarathustra" tauchte er in gleißendes orchestrales Strahlen, mehr das große Glühen im Auge als die Raffinesse. Bei Bartóks Konzertsuite "Der wunderbare Mandarin" konzentrierte sich Salonen auf die packenden klanglichen Verdichtungen und die ungemein einnehmende Rhythmik.


Als besonderes Kleinod dazwischen sang Marianne Crebassa - sie wurde im Vorjahr in Salzburg als herausragender Sesto in Mozarts "Clemenza" gefeiert - Luciano Berios "Folk Songs" für Mezzosopran und Orchester. Crebassa ließ die teils schlichten, teils pointierten Volksweisen in aller Klarheit und mit feinem Humor erstrahlen, während das konzentrierte Orchester die eingängigen Melodien in teils impressionistisch punktuelle, teils dramatisch zugespitzte Klangräume und rhythmische Strukturen bettete.

Innere und äußere Verwandtschaften brachte am Samstag Igor Levit zutage. Im Haus für Mozart kreiste der Pianist um Franz Liszt. In dessen Bearbeitung von Wagners feierlichem Marsch zum Gral aus "Parsifal" zeigte Levit sich als Meister der ehrwürdigen Feierlichkeit und der weit ausladenden Spannungsbögen. Bei Liszts monumentaler Fantasie und Fuge über den Choral "Ad nos, ad salutarem undam" zeigte er, dass er seine Virtuosität als Gestaltungsmittel versteht, nie als Selbstzweck. Und auch bei Beethovens "Hammerklavier-Sonate" - an deren erste Aufführung sich einst Franz Liszt wagte - lotete Levit pianistische Extreme aus, verdichtete virtuose Passagen noch, während er sich in den lyrischen an den Rand der Auflösung herantastete.

Klug montierte Szenen
Durch besondere dramaturgische Finesse bestach der Liederabend von Jonas Kaufmann und Diana Damrau am Tag zuvor. Die Sopranistin, der Tenor und Pianist Helmut Deutsch haben die gut vierzig Kompositionen von Hugo Wolfs "Italienischem Liederbuch" neu gruppiert und im kurzweiligen Wechsel kleine Szenen und Lied-Dialoge gestaltet. Nicht nur erwiesen sich alle drei als ausgewiesene Lied-Experten: Damrau und Kaufmann zeigten ihre vokale Vielseitigkeit von lyrischem Sehnen bis zum dramatischen Ausbruch, Deutsch am Klavier seinen feinen, dialogischen Humor. Darüber hinaus gestalteten die beiden Sänger den bejubelten Abend im Großen Festspielhaus beinahe szenisch.

Auf neckische und schwärmerische Liebesschwüre folgten sehnsüchtig freudige wie schmerzliche Sehnsuchtsbekundungen und schließlich klug montierte Zank- und Versöhnungsszenen, in denen die Sänger temperamentvoll Einblick gaben in die lebendigen wie innigen Szenen so mancher Liebe - zwischen Stolz und Ablehnung, Verführung und Zärtlichkeit. "Auch kleine Dinge können uns entzücken", beginnt Wolfs Liederbuch - dieser Liederabend löste das mit unzähligen Details ein.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-05 16:38:24
Letzte Änderung am 2018-08-06 09:26:18



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