Werken spanischer Komponisten widmete Rolando Villazón seinen Liederabend. - © apa/hkt/Neumayr/Leo
Werken spanischer Komponisten widmete Rolando Villazón seinen Liederabend. - © apa/hkt/Neumayr/Leo

Lässt ein Sänger die "Deutschen Volkslieder" von Brahms in Madrid, Buenos Aires oder Lima hören, könnte es leicht sein, dass das Verständnis seitens der Zuhörer an Grenzen kommt. Nicht viel anders geht es uns mit dem Spanischen "aus der alten und der neuen Welt", dem Rolando Villazón seinen Festspiel-Liederabend widmete.

Die "Winterreise" funktioniert besser bei uns als in Sevilla. Das ist einsichtig. Dabei nehmen es die von Villazón ausgesuchten Stücke - vom spanischen Festland nach Lateinamerika - an Melancholie gar locker mit Schubert auf. Und, bei allem Spaniertum: Wenn auch da und dort Folkloristisches aufblitzt, entsprechen die mehrheitlich literarischen Texte und auch die Art der Komposition kaum den Erwartungen jenes Publikums, wie es eben in nach wie vor hinlänglicher Zahl zu Villazón strömt und das Haus für Mozart locker füllt. Es brauchte zuletzt Show und Animation, um doch noch standing ovations zu erreichen.

Villazón ist nicht der Typ des Flunkerers. Kopfüber stürzt er sich auch in Gesangsstücke, die den derzeitigen Stand von Technik und Stimmbändern überdeutlich machen. Manuel de Falla, Fernando Obradors, der Mexikaner Silvestre Revueltas, der Argentinier Carlos Guastavino - so wenig der Abend geeignet war, das Zutrauen in Rolando Villazón zu steigern, wurde der Horizont der Zuhörer hinsichtlich der spanischzüngigen Liederfürsten lohnend erweitert. Zum Großteil Stücke aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, viel Doppelbödiges im inhaltlichen und im musikalischen Ausdruck. Die Pianistin Carrie-Ann Matheson verweigerte sich konsequent vorlaut herausgestelltem spanischen Idiom, zeichnete harmonisches Zwielicht mit viel Akkuratesse. Sie war den ganzen Abend hindurch jene, die die Linien vorgab, die Villazón bei Lagewechseln und im Piano oft genug weggebrochen sind.