(r. k.) Maurizio Pollini, Salzburg, Großes Festspielhaus. Wahrscheinlich muss man das Datenvolumen von all den Handy-Fotos, die da verschossen werden, in Terabyte messen. Eh unbrauchbar vermutlich die meisten, aber gesichert maximaler Störeffekt.

Das ist eben der Preis für einen "Menschen und Künstler", über den es in der Programmheft-Biografie nicht wirklich charmant heißt, dass er "schon seit mehreren Generationen von Kritik und Publikum bewundert" werde.

Historische Größe

Am Sonntag zur unüblichen Zeit, 17 Uhr im Festspielhaus, setzt es Chopin - Musik jenes Tonsetzers, um den sich Pollini immer wieder verdient gemacht hat und für den er im Vorjahr die Echo-Trophäe "Instrumentalist des Jahres" erhielt. Zwei Nocturnes op. 62 kommen im Konzert wie pianistische Formskizzen daher und nicht als sentimentale Nachtmusiken. Auch der berühmten Berceuse Des-Dur op. 57 gesteht Pollini keine Tempo-Drücker zu: Das ist unverzärtelt und doch sinnlich. Man darf solchem Chopin-Spiel schon historische Größe zuschreiben.

Pollini ruht nicht aus auf diesen seinen Lorbeeren: Mit der Polonaise fis-Moll op. 44 fordert er sich selbst heraus, nimmt das "Tempo di Polacca" schneller als eigentlich nötig und bringt das doch mit Anstand hinter sich. Die Kaskaden des Scherzo cis-Moll op. 39 führen augenblicklich zu Standing Ovations, zum Dank weiterer virtuoser Chopin als Zugabe.

Begonnen hatte der Abend mit ganz spätem Brahms (Drei Intermezzi op. 117) und frühem Schumann (Concert sans orchestre f-Moll op. 14), somit ein erhellender pianistischer Horizont rund um Chopin: allen Jubels wert.