• vom 21.08.2018, 16:55 Uhr

Salzburger Festspiele


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Reduktion, Überwältigung und ein Sensations-Einspringer




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  • Die Theaterproduktionen der Salzburger Festspiele bedienten eine große stilistische Bandbreite - Philipp Hochmair triumphierte als Jedermann.

Modernes Überwältigungstheater bot Ulrich Rasche, der in seiner Inszenierung der "Perser" des Aischylos die Anfänge der Theaterkunst mit heutiger Technik nachzeichnete. - © Salzburger Festspiele/Bernd Uhlig

Modernes Überwältigungstheater bot Ulrich Rasche, der in seiner Inszenierung der "Perser" des Aischylos die Anfänge der Theaterkunst mit heutiger Technik nachzeichnete. © Salzburger Festspiele/Bernd Uhlig

(apa/pat/hai) Eine unerwartete Umbesetzung war es, die das heurige Theaterprogramm der Salzburger Festspiele prägte: Jedermann-Einspringer Philipp Hochmair. Dass der Tausendsassa innerhalb von 30 Stunden die Rolle von dem an Lungenentzündung erkrankten Hauptdarsteller Tobias Moretti übernahm, war ein nahezu singuläres Ereignis (nur 1932 musste ebenfalls kurzfristig Ersatz gefunden werden) und ein Teufelsritt, der ganz überschattete, wie viel sich in der im Vorjahr viel gescholtenen Inszenierung von Michael Sturminger geändert hatte. Deutlich näher am Original und in ihrer Gesamtwirkung schlüssiger präsentierte sich Hofmannsthals Traditionsstück.

Nicht mit dramaturgischer Stringenz, sondern mit dem Anspruch auf größtmögliche Vielfalt der Regiehandschriften waren die vier Neuinszenierungen ins Rennen gegangen. Auf ein Duett und Duell zwischen Penthesilea und Achilles hatte Johan Simons Kleists Trauerspiel "Penthesilea" reduziert. Sandra Hüller und Jens Harzer umkreisten einander auf der Landestheater-Bühne wie Sportler einer fremden asiatischen Kampfsportart, die Amazonenkönigin und der griechische Kriegsheld traten mit bloßen Händen, nackter Haut und geschliffener Sprache gegeneinander an. Theater wurde hier zu einem Experimentierfeld über die Elastizität von Geschlechterrollen.


Die Schauspielkünstlerinnen Patrycia Ziolkowska, Katja Bürkle und Valery Tscheplanowa durften bei Ulrich Rasche im Landestheater zwar auch ganz nahe vor die Zuschauer treten, das enge Regie-Korsett nahm ihnen jedoch Bewegungsfreiheit. Denn anders als bei Simons richtet der deutsche Regisseur bei seinen Erfolgsläufen durch die Theaterlandschaft den zentralen Blick nicht auf den Einzelnen, sondern auf das Kollektiv. "Die Perser" des Aischylos konfrontierten in Rasches Zugriff mit einem gigantischen Aufwand an Mensch und Material, Überwältigungstheater auf der Höhe der Zeit. Zwei riesige bewegliche Scheiben brachten das Haus zum Rotieren und führten in grandiosen Bildern und chorischer Sprache den Schrecken des Krieges vor Augen. Rasche nutzte das große Salzburger Festspielgeld und Frankfurt als Koproduzent zu einem so überraschenden wie einleuchtenden Versuch, Anfänge der europäischen Theaterkunst mit heutiger Technik nachzuzeichnen. Die letzte Schauspielpremiere war von Aufwand und Wirkung wohl mit Abstand die eindrucksvollste.

Eindruck hinterließ auch Frank Castorf mit Knut Hamsuns "Hunger" auf der Halleiner Perner-Insel mit drehbarer Kulissenlandschaft und Totaleinsatz seiner verschworenen Truppe. Die stöckelt und trampelt, rennt und turnt, verfolgt von Kameraleuten, sechs lange Stunden, um Wahnsinn und Aberwitz aus Hamsuns zeitlosem Frühwerk erfahrbar zu machen. Ein Theaterkraftakt, auf der Bühne wie im Zuschauerraum.

Deutlich schmälere Kost servierte Dušan David Parížek im republic. Der Roman "Kommt ein Pferd in die Bar" von David Grossman schildert die Selbstzerfleischung eines Stand-up-Comedians, der in seiner möglicherweise letzten Vorstellung vor den Augen eines Freundes zur Abrechnung mit sich selbst antritt. Samuel Finzi verkörpert diesen Don Quichote der Unterhaltungsbranche. Die Aufführung ist am stärksten, wenn Finzi sich auf den Text besinnt und ihn mit beunruhigender Intensität darbietet. Am 5. September hat das Stück im Akademietheater Premiere.




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Dokument erstellt am 2018-08-21 17:05:47



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