• vom 27.08.2018, 15:50 Uhr

Salzburger Festspiele

Update: 27.08.2018, 16:08 Uhr

Konzertkritik

Tristan trauert um die Bachmann




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (8)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Reinhard Kriechbaum

  • Franz Welser-Möst dirigierte Hans Werner Henzes "Tristan" in Salzburg.

Franz Welser-Möst interpretierte Henzes "Tristan".

Franz Welser-Möst interpretierte Henzes "Tristan".© Julia Wesely Franz Welser-Möst interpretierte Henzes "Tristan".© Julia Wesely

Vor wenigen Tagen haben Edith Clever und Martin Wuttke in Salzburg aus dem reichhaltigen Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze gelesen. Am Samstag, im letzten Konzert der Wiener Philharmoniker in diesem Festspielsommer, gab’s die Musik dazu. Das Musikstück, in dem Hans Werner Henze seine Beziehung zu Ingeborg Bachmann reflektierte, ist sein "Tristan" für Klavier, Tonbänder und Orchester.

Die Bachmann war 1973 gestorben, "Tristan" ist eine rückblickende Trauermusik. So viel Seelenengagement eines Tonschöpfers war mutig in den 1970er Jahren. Auch die Wahl der Mittel war damals, da der Mainstream in den Bahnen des seriellen Komponierens lief, durchaus gewagt. Da setzte Henze als bekennender "Subjektivist" eine denkbar auffällige Duftnote. Die "Tristan"-Phantasmagorie ist vielleicht eines der Schlüsselwerke der Postmoderne. Und die Hauptsache: Es ist das mit Abstand lyrischste und ausuferndste Klavierkonzert in der ganzen zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Igor Levit war für den Solopart verpflichtet. Ein leises, verinnerlichtes, reflektierendes Singen, das sich selten nur in dynamisch nachdrücklichere Werte aufschwingt. Da geht es um die vielen leisen Nuancen, um die Konturen und Schatten. Sinnlich und mit klaren Linien hat Levit das gezeichnet. Dazu ein sattes Streicher-Schwelgen mit allerlei Zitaten und Anspielungen, orchestrale Wildheiten, Tanzmusik-Anklänge. Das war Futter für die Wiener Philharmoniker unter Franz Welser-Möst.

Diese Musik ist in ihrer postmodernen Hintergründigkeit ganz weit weg von Wagner und passt doch gut zu diesem, in dem Fall: zu vier symphonischen Filetstücken aus der "Götterdämmerung": Süffiger, pastoser, auch genauer gezeichnet im Detail kann man sich einen philharmonischen Abschied aus dem sommerlichen Salzburg gar nicht vorstellen.





1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-27 15:59:50
Letzte Änderung am 2018-08-27 16:08:18



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Mord mit Stil
  2. Die stille Größe des Wolfgang Muthspiel
  3. Die Nestroy-Preise wurden verliehen
  4. Eine Gala für das Theater
  5. sand
Meistkommentiert
  1. Lang lebe Europa!
  2. Rene Benko steigt bei "Krone" und "Kurier" ein
  3. Kritik an finnischem Rechts-Metal-Konzert in Wiener Club
  4. Weißes Haus verteidigt sich mit Fake-Video
  5. Schweigen im Blätterwald


Neo-Viennale-Chefin Eva Sangiorgi (links) mit der Regisseurin des Eröffnungsfilms Alice Rohrwacher

Sozialdemokratische Kundgebung für das Frauenwahlrecht, Wien-Ottakring, 1913 "Der Bauerntanz", entstanden um 1568.

Ignaz Kirchner als "Samiel", 2007, während der Fotoprobe von "Der Freischuetz" in Salzburg.  Das Tutu ist das Spezifikum der Ballerina, die elfengleich über die Bühne schwebt.


Werbung