• vom 28.08.2018, 10:49 Uhr

Salzburger Festspiele

Update: 28.08.2018, 11:13 Uhr

Bilanz

Die Längsten, Größten und Spätesten




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Von WZ Online, APA

  • Eine zugespitzte Bilanz der Festivalhöhepunkte 2018.

Nachdem Tobias Moretti als Jedermann krankheitsbedingt ausfiel, schwebteaus Dresden spontan Philipp Hochmair ein und rettete mit rekordverdächtig kurzer Durchlaufprobe die renommierte Cashcow der Festspiele mit fünf Einsätzen.

Nachdem Tobias Moretti als Jedermann krankheitsbedingt ausfiel, schwebteaus Dresden spontan Philipp Hochmair ein und rettete mit rekordverdächtig kurzer Durchlaufprobe die renommierte Cashcow der Festspiele mit fünf Einsätzen.© APAweb, Barbara Gindl Nachdem Tobias Moretti als Jedermann krankheitsbedingt ausfiel, schwebteaus Dresden spontan Philipp Hochmair ein und rettete mit rekordverdächtig kurzer Durchlaufprobe die renommierte Cashcow der Festspiele mit fünf Einsätzen.© APAweb, Barbara Gindl

Salzburg. Die Spitzen der Salzburger Festspiele ziehen am heutigen Dienstag Bilanz über die noch bis Donnerstag laufende Festspielausgabe 2018. Zeit für eine zugespitzte künstlerische Rückschau:

DIE LÄNGSTE INSZENIERUNG

Angekündigt waren viereinhalb Stunden und es wurden fünfdreiviertel: Wenn Frank Castorf inszeniert, muss der geneigte Theatergänger Sitzfleisch mitbringen. So auch für die Knut-Hamsun-Adaption "Hunger" auf der Perner-Insel in Hallein. Das hatten schon vor dem Ende viele
satt.

DIE BEEINDRUCKENDSTE AUFSTEIGERIN

Das war ein Aufstieg mit Ansage: Die Litauerin Asmik Grigorian,
schon im Vorjahr als Marie im "Wozzeck" bei den Festspielen gefeiert, war im Vorfeld als Sensation in der Titelpartie der "Salome" gehandelt worden. Und die 37-Jährige löste das Versprechen ein, indem sie eine mustergültige Interpretation der Strauss-Rolle in der Regie von Romeo Castellucci lieferte. "Wie schön ist die Prinzessin Salome heute Nacht!",
seufzte es da regelmäßig auch im Publikum.

DER LÄNGSTE APPLAUS

Auch wenn Hans Neuenfels' Inszenierung von Peter Tschaikowskys "Pique Dame" nicht das herausragende Opernereignis der Festspiele 2018 war, konnte sich die Inszenierung beim Applaus mit 13,05 Minuten doch an die Spitze der Premieren setzen. Die Choroper hat nun einmal viele Rollen, die mit Ovationen einzeln bedacht werden müssen. So feierte Neuenfels 17 Jahre nach seiner ausgebuhten "Fledermaus" 2001 eine versöhnliche Rückkehr nach Salzburg.

DIE GRÖSSTE ENTTÄUSCHUNG

Lydia Steiers "Zauberflöte" war strukturell klug gedacht, die Streichung der von Sängern meist hölzern vorgetragenen Sprechpassagen und ihr Ersatz durch Klaus Maria Brandauer eine wahre Wohltat. Dennoch wurde das Stück dadurch auf ein Märchen reduziert und von der Mehrheit der
Kritiker klar abgelehnt. Da ging der Zauber flöten, so der Tenor.

DER BRAVOURÖSESTER EINSPRINGER

So geht Deus ex Machina am Theater: Nachdem Tobias Moretti als Jedermann krankheitsbedingt ausfiel, schwebte aus Dresden spontan Philipp Hochmair ein und rettete mit rekordverdächtig kurzer Durchlaufprobe die renommierte Cashcow der Festspiele mit fünf Einsätzen. Das kann nicht jedermann.

DIE GRÖSSTE ÜBERRASCHUNG

Normalerweise muss der Festspielbesucher nur Angst vor Wasser haben, wenn er eine "Jedermann"-Karte für den Domplatz besitzt. Dass man aber auch im Festspielhaus nicht unbedingt sicher vor liquidem Ungemach ist, zeigte sich heuer beim Konzert von Grigory Sokolov, drang doch bei einem Gewitter Wasser in den Zuschauerraum, während es im
benachbarten Haus für Mozart bei der "Italiana in Algeri" ebenfalls
zu einem kleinen Wassereinbruch auf der Seitenbühne und einem kurzen Stromausfall kam.

DIE GRÖSSTE TECHNIKSCHLACHT

Der größte Aufwand galt bei den heurigen Festspielen dem ältesten Drama der Menschheit: Regisseur Ulrich Rasche fuhr für Aischylos' "Die Perser" seine Walzen, Laufbänder und Drehscheiben im Landestheater auf. Die Zuschauer, die trotz der Technikschlacht noch Platz im Gebäude fanden, waren begeistert.

DER UMJUBELTSTE WIEDERKEHRER

Im Vorjahr wurde Dirigierpunk Teodor Currentzis noch für seine Arbeit mit Peter Sellars an Mozarts "Clemenza di Tito" gefeiert. Ein szenisches Projekt hatte der 46-Jährige heuer zwar nicht im Talon, sein fünfteiliger
Konzertreigen mit Beethovens neun Symphonien geriet aber auch ohne
Regisseur zum Ereignis, das mit einer frischen Perspektive auf das
symphonische Standardrepertoire begeisterte.

DAS SPÄTESTE DEBÜT

61 Lenze zählt Theatermacher Jan Lauwers. Und der Belgier kann
dabei auf Jahrzehnte Regieerfahrung verweisen - allerdings nicht im Musiktheater. Mit Monteverdis "Poppea" feierte der ImPulsTanz- und
Burgtheater-Stammgast nun sein persönliches Debüt als Opernregisseur und überzeugte mit seiner Verzahnung der Welten
Performance, Tanz und Musik Kritiker wie Publikum.





Schlagwörter

Bilanz, Salzburger Festspiele

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-28 10:58:31
Letzte Änderung am 2018-08-28 11:13:43



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