Ehrlich kulinarisch ging es zu: Anna Netrebko und Yusif Eyvazov. - © ph marco borrelli
Ehrlich kulinarisch ging es zu: Anna Netrebko und Yusif Eyvazov. - © ph marco borrelli

Die Fußball-Horden waren von der Polizei längst Richtung Stadion eskortiert, als der Betrieb am Mittwochabend in der Hofstallgasse losging. Netrebko-Fans bedingen deutlich weniger Polizeieinsatz. War im einen Fall Salzburg vor serbischen Schlachtenbummlern zu schützen, geht es bei den Festspielgästen um Schutz von außen - dem Vernehmen nach waren heuer acht Scharfschützen im Festspielbezirk im Einsatz.

Event jedenfalls da wie dort, im Stadion die Red Bulls gegen Roter Stern Belgrad, im Festspielhaus Anna Netrebko nicht gegen, sondern mit Yusif Eyvazov. Beide Spiele sind unentschieden ausgegangen, denn wer im Ehe-Tenor der Netrebko bloß Staffage, also einen Kantersieg der Sopran-Legionärin erwartete, wurde entschieden eines Besseren belehrt. Yusif Eyvazov spielt derzeit in derselben Liga wie seine Frau. Sein "Nessun dorma" ("Turandot") oder "E lucevan le stelle" ("Tosca") - das hat nicht weniger Jubel entfacht als die Netrebko mit der Cio-Cio-San-Arie "Un bel di vedremo" ("Madama Butterfly") oder "Vissi d’arte ("Tosca").

Am Pult des Mozarteumorchersters stand ein Stilkundiger, Jader Bignamini, Chef des Symphonieorchesters laVerdi in Mailand. Sehr gediegen, was er an diesem Abend aus dem Orchester herausholte. Die Sinfonia aus Verdis Jugendwerk "Un giorno di regno", die Ballabili aus dem "Otello", das Intermezzo aus "Manon Lescaut" und noch anderes waren mehr als Füllstücke, dramaturgisch feinfühlig gewählte musikalische Verbindungen.

Es war ein Wunschkonzert der großen Oper - und wollte nichts anderes sein. Ein ehrlich kulinarischer Abend. Im Mittelpunkt natürlich große Duette, Desdemona und Otello ("Già nella notte densa"), Cio-Cio-San und Pinkerton ("Madama Butterfly"): Das Lyrische stand im Vordergrund, die Raserei der Lady Macbeth scheint weniger Sache der Netrebko zu sein.