"Die Versorgungsproblematik ist kein geologisches Problem, sondern ein politisches", sagt Robert Holnsteiner von der Geologischen Bundesanstalt Wien. In Europa sieht er konkurrierende Nutzungsansprüche zwischen Siedlungsgebieten und Naturschutz, und im asiatisch-arabischen Raum Druck durch einen Bauboom aufgrund von Bevölkerungswachstum. Während in EU-Ländern wie Österreich der Sandabbau strengen Vorgaben unterliege, herrsche in andere Regionen Goldgräberstimmung.

Das Emirat Dubai hat Sandvolumina von 150 Millionen Tonnen allein für die künstlichen, palmenförmigen Inseln vor seiner Küste verbraucht, seine Sandreserven sind erschöpft. Für seine monolithischen Türme muss es Sand aus Australien importieren. An die 3000 Unternehmen aus Down Under exportieren Sand in arabische Länder. Wüstensand ist nämlich für Bauvorhaben völlig ungeeignet. Der Wind treibt die Sandkörper vor sich her und schleift sie rund und glatt. Gebäude benötigen aber kantige Sandkörner, die schon allein wegen der Form aneinanderhaften. Meeressand haftet perfekt. Doch er ist nicht unerschöpflich.

Der Strand rieselt hinunter - und verschwindet

An den Traumstränden der Welt werden Bettenburgen gebaut, damit immer mehr Touristen Ferien mit Wasser, Sand und Sonne verbringen können. Doch die Bauherren graben den Stränden die Fundamente ab und entnehmen hunderttausende Tonnen Sand unter der Wasseroberfläche. Wellen und Strömungen ziehen ihn von den Küsten nach unten, um die Löcher zu füllen. Der Strand rieselt hinunter - und verschwindet. Weltweit sind 75 bis 90 Prozent der Strände auf dem Rückzug, warnt Gary Griggs von der University of California in Santa Cruz.

Um die Strände neu aufzuschütten, saugen riesige Schwimmbagger Sand vom Meeresboden, der sich im Lauf von hunderttausenden Jahren dort abgelagert hat, nach oben. Aus den Tiefen mit angesaugt werden Organismen, die der marinen Nahrungskette unwiederbringlich verloren gehen. Auch das Übeerleben der Meere hängt vom Sand ab. Wenn wir ihn restlos verbrauchen, werden nicht nur die Fische sterben.

Sand ist der meistgenützte Rohstoff der Erde. Doch der Mensch bedient sich im Übermaß an den natürlichen Reserven.