• vom 10.07.2018, 15:42 Uhr

Sand

Update: 10.07.2018, 15:55 Uhr

Sandkunst

Rieselnde Kunstwerke




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Von Laura Fischer

  • Sand dient nicht nur als Spiel- und Baustoff, auch Künstler haben die Körner für sich entdeckt.

Für ein Sandbild braucht Tim Bengel mehrere Wochen. - © Tim Bengel

Für ein Sandbild braucht Tim Bengel mehrere Wochen. © Tim Bengel



Wien. Eine Schaufel und ein Küberl, ein anständiger Sandstrand, und schon kann jeder vierjährige Urlauber sich seine eigene Burg bauen. Neben den liebevollen wie dilettantischen Burghäufchen, die sich im Sommer an der Südküste Europas aneinanderreihen, und ihren stolzen Erbauern gibt es aber auch Menschen, die den Sand zu ihrem primären künstlerischen Material erhoben haben.

Auch Todd Vander Pluym baute als Vierjähriger Sandburgen. Aufgewachsen in Südkalifornien, verbrachte er seine Kindheit am Strand, studierte später Architektur. Seine Leidenschaft blieb aber der Sand, weshalb er 1980 gemeinsam mit Gerry Kirk die Sand Sculptors International (SSI) gründete, eine Sand-Skulpturen-Organisation, mit der das Bauen aus Sand ein neues Level erreichte. Mehr noch: Die beiden setzten damit den Grundstein für eine neue Form der Kunst. Durch sein Architekturstudium professionalisierte Pluym das Bauen von Sandskulpturen. Heute baut seine Organisation Kunstwerke auf der ganzen Welt, nimmt an Sandkunstfestivals teil und veranstaltet Ausstellungen. Auch für Werbezwecke eignet sich Kunst aus Sand, die SSI kreierte schon Skulpturen für Autohersteller und Fast-Food-Ketten.


Mit Sand ins Museum
Die Sand Sculptors International war Vorbild für viele weitere Sandkunst-Organisationen und setzte neue Standards für die künstlerische Bearbeitung der rieselnden Körner: welche Tools sich am besten eignen, welcher Sand ideal zum Bauen ist. So ist der klassische Sand von Meeresstränden gar nicht geeignet für Skulpturen, da die Körner durch die Meeresbewegung zu rund geschliffen sind, um zu haften. Viel besser eignet sich grober Flusssand.

Auf die Sandqualität achtet auch Tim Bengel. Der deutsche Künstler hat ebenfalls Sand als Medium gewählt, er verarbeitet ihn in seinen Bildern. Bengel benutzt nur schwarzen, speziell gemischten Sand, und weißen gefilterten, um seine kontrastreichen Bilder zu schaffen. Die Kunstwerke von Bengel sind mittlerweile international bekannt, er zeigt sie weltweit in Ausstellungen.

Jede von Tim Bengels Arbeiten beginnt mit einem Foto als Motiv. Dieses wird auf eine mit Klebstoff bestrichene Leinwand übertragen, im nächsten Schritt positioniert der Künstler dann akribisch den Sand. Im letzten Schritt wird der überschüssige Sand abgekippt und rauscht zu Boden, während ein weiteres seiner detailreichen Werke zum Vorschein kommt. Dieser Enthüllungseffekt ist Teil seiner Kunst, mehr als 400 Millionen Menschen haben eine dieser Gemäldeenthüllungen live und auf Videos schon angesehen.

Jedes Kunstwerk wird am Ende versiegelt, um es an Sammler und Galerien zu schicken. Die Nachfrage sei hoch, sagt Bengel, ein Werk brauche aber mehrere Wochen bis zur Fertigstellung. Mit Sand als Arbeitswerkzeug hebt sich der Deutsche von Öl- und Acrylmalern ab, er will jedoch nicht nur als Sandkünstler bekannt sein. "Der Künstler Van Gogh ist auch kein ,Öl-Künstler‘. Genauso wenig möchte ich ein ,Sand-Künstler‘ sein, sondern ein Künstler, der sich aller Medien bedienen kann."

Bisher ist Bengels Technik in der bildenden Kunst einzigartig, Malen mit Sand ist jedoch als Performancekunst bereits recht verbreitet. Dabei wird üblicherweise Sand auf Lichtprojektoren, beziehungsweise von unten beleuchtete Glasplatten gestreut. Mit den Fingern werden dann in und mit dem Sand Bilder und Bildergeschichten gemalt. Eine der berühmtesten Sandmalerinnen ist Irina Titova, die Russin ist auch schon in Österreich aufgetreten.

Zwar werden Tim Bengels Bilder versiegelt, um sie haltbar zu machen, üblicherweise eint die Sandkunst jedoch eine Eigenschaft: Sie ist vergänglich. Denn mit einem raschen Wischen oder dem nächsten Regenguss sind sowohl die Sandskulpturen als auch Irina Titovas Bilder wieder weg.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-10 15:46:56
Letzte Änderung am 2018-07-10 15:55:33



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