Während Sand als Füllmaterial von Rasseln bei so manchem Song für rhythmisches Beiwerk sorgt und das Phänomen des "singenden", jedenfalls Geräusche erzeugenden Sands Nomaden und Wissenschafter nicht erst seit heute beschäftigt, liegen die Wurzeln des Blues in der westafrikanischen Wüste begraben.

In unseren Breitengraden durch Ali Farka Touré populär gemacht, geben im Genre des Desert Blues heute Bands wie Tamikrest oder Tinariwen den Ton an. Letztere berichten nicht nur mit Alben wie "Aman Iman" ("Wasser ist Leben") über den Alltag der Tuareg und die harten Fakten des Wüstenlebens. Auch bekommt der Begriff "Rebellenrock" hier eine neue Bedeutung. Teile der Band waren in den frühen 90er Jahren im Zuge des Tuareg-Aufstands in Mali als Widerstandskämpfer aktiv. Im Vergleich zum Desert Blues sind die Erben des testosterondominierten und drogenunterfütterten Desert Rock aus der kalifornischen Staubwüste mit den Queens Of The Stone Age um Sänger Josh Homme im Zentrum also nur Teilnehmer einer Kinderjause.


Einmal aber noch zurück in die 1980er Jahre: Womöglich sind der Wirtschaftsmotor und die - noch! - vollen Kassen der Musikindustrie daran schuld, dass sehr viele Musikvideos zu dieser Zeit auf fremden Kontinenten zwischen Dschungel, Regenwald, Wüste und Sandstrand oder auf Segelbooten spielen. "Rio" oder "Hungry Like The Wolf" von Duran Duran, "Down Under" von Men At Work, "Club Tropicana" von Wham! oder "Let’s Dance" von David Bowie. Letzterem wird 2015 in seiner finalen Inkarnation als "Blackstar" im Video zum gleichnamigen Song am Strand eine Totenzeremonie ausgerichtet. Einmal mehr halten die Tränen Einzug ins Paradies.