Welches Ressourcenpotenzial in der Zukunft frei wird, damit beschäftigen sich auch die Wiener Linien. "Wir haben eine Aufstellung aller Materialien gemacht und uns angesehen, wie sich diese über die Zeit verändern und welchen ökologischen Fußabdruck sie hinterlassen. Wir haben festgestellt, dass innerhalb von 30 Jahren nur drei Prozent der Materialien wieder zur Verfügung stehen werden. Aber diese drei Prozent haben einen sehr hohen Wert. Für eine Tonne Kupfer bekommt man bis zu 3000 Euro, und wir haben ein paar hundert Tonnen in Form von Kabeln und Oberleitungen", sagt Markus Ossberger, Leiter der Stabstelle Infrastruktur bei den Wiener Linien. Auch bei der Sanierung der U4 kam die Urban-Mining-Methode erfolgreich zur Anwendung. "Die Hälfte aller Materialen wurden an der Baustelle recycelt. Schienen wurden wieder eingebaut und der Schotter unter den Schienen gereinigt und wiederverwendet", so Ossberger.

Von der Mülldeponie zum
anthropogenen Lager

Experten schätzen, dass 12 Prozent des Rohstoffbedarfs heute aus Materialien aus der Stadt gedeckt werden - eben auch in Mülldeponien wird nach Rohstoffen gesucht: Es geht nicht nur mehr um Mülltrennung, sondern um Rohstoffgewinnung. "Es ist ein Paradigmenwechsel. Man sagt nicht mehr Abfall, sondern Sekundärrohstoff. Man sagt nicht mehr Recycling, sondern es ist ein Ressourcenmanagement. Man sagt nicht mehr Deponie, sondern anthropogenes Lager. Hier findet ein Umdenken statt", meint Brigitte Kranner.