Die Entscheidung zur Trennung fällt oft ganz leicht. Sie dann auch durchzuziehen ist etwas anderes. Dass der endgültige Schnitt, das Kappen alter Verbindungen, der Aufbruch ins Neue gar nicht so einfach ist, lässt sich gerade eindrucksvoll am Beispiel Großbritanniens beobachten. Die Briten benehmen sich wie der Ex-Partner, der nicht und nicht ausziehen will. Wo anfangs noch Euphorie war, wo sich das Brexit-Lager darüber freute, endlich den Fesseln der EU-Bürokratie zu entkommen, da sind heute Streit, Chaos und tiefe Gräben.

Die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg trifft das Königreich nicht nach dem EU-Austritt, sondern hat sich als dunkler Schatten über das Land gelegt, noch bevor der Brexit überhaupt vollzogen ist. Die Regierung, das Parlament, ja, das ganze Land streitet sich darüber, wie der Abschied von der EU aussehen soll.

Will man danach noch viel miteinander zu tun haben? Soll es ein harter Bruch werden? Was ist wichtiger: alles wieder selbst zu bestimmen oder Kompromisse einzugehen, um von guten Beziehungen zu profitieren? Die Trennung immer wieder zu verschieben, weil es darüber keine Einigkeit gibt, ist keine Lösung.

Dabei ist fraglich, ob das Königreich und die EU je richtig zusammen waren. Wahre Liebe war es jedenfalls nicht, Großbritannien wollte nie wirklich dazugehören. Immer wieder hat London auf einer Sonderbehandlung bestanden - und diese, um des Friedens willen, auch bekommen. Immer wieder haben die Briten eine Vertiefung der Union blockiert. Sie haben geschimpft, gezetert und ihre Kollegen so lange zermürbt, bis sie nachgaben, immer wieder.

Eine Trennung wollte die EU nicht, im Gegenteil: Sie würde die Briten ohne weiteres zurücknehmen, auch jetzt noch. Doch die Möglichkeiten, wie Staaten sich voneinander lösen, sind vielfältig.

Auf brutalste Art

Es könnte wie der Traum eines Vielvölkerstaates im 20. Jahrhundert aussehen: Jugoslawien mit seinen serbischen, kroatischen, slowenischen, bosnischen, albanischen, mazedonischen Einwohnern, mit Roma, Türken und weiteren Bürgern. Einer der Gründungsmythen war denn auch der gemeinsame Kampf gegen die faschistischen Besatzer im Zweiten Weltkrieg, über alle ethnischen Grenzen hinweg geführt. Doch war auch hier nur die Oberfläche glatt. Darunter lagen Animositäten, die, von politischen Kräften geschürt und missbraucht, gegen Ende des vergangenen Jahrtausends zu einem brutalen und blutigen Zerfall führten.

Schon zwischen den beiden Weltkriegen erschwerten die unterschiedlichen Interessen und ökonomischen Niveaus in den jeweiligen Regionen ein friktionsfreies Zusammenleben. Und nach 1945 brodelten die inneren Konflikte im sozialistischen, föderalistischen Jugoslawien weiter. Der Staat wurde zusammengehalten mit einer straffen Hand und relativem Wohlstand.