Doch Josip Broz Tito starb, die Unzufriedenheit mit dem Sozialismus wuchs, ebenso die Sorge wegen großserbischer Tendenzen, die Hyperinflation verschärfte die wirtschaftlichen Probleme. 1991 erklärten Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit. Im ersten Fall folgte der Zehn-Tages-Krieg, im zweiten kam es noch Jahre später zu Kämpfen, Massakern, Offensiven, Rückeroberungen, ethnischen Säuberungen. In Bosnien wütete der Krieg.

Von Serbien sagte sich später Montenegro, dann der Kosovo los. Dessen Unabhängigkeit hat Belgrad bis heute nicht anerkannt. Bosnien-Herzegowina wiederum bleibt innerlich zerrissen, von separatistischen Tendenzen geplagt.

Vorspiel zum Bürgerkrieg

"Free at last" stand in der Nacht auf den 9. Juli 2011 in Leuchtschrift auf einem Uhrturm in der Hauptstadt Juba. In einem Referendum hatten davor fast 99 Prozent der Menschen für die Unabhängigkeit des überwiegend christlichen Südsudans vom islamisch geprägten Sudan gestimmt. Die Hoffnungen und Erwartungen waren damals groß. Der jüngste Staat der Welt verfügt über bedeutende Ölreserven, die Menschen träumten von raschem Wachstum, einem Rückgang der Armut, von Demokratie und Frieden.

Doch die Euphorie der ersten Tage verflog rasch, das Land stürzte innerhalb von nur zwei Jahren in ein blutiges Chaos. Verantwortlich dafür war allerdings nicht ein Konflikt mit dem Nachbarn im Norden, die Scheidung vom Sudan erfolgte vergleichsweise friedlich und friktionsfrei.

Dass das junge und ehemals so hoffnungsfrohe Land heute als "failed state" betrachtet wird, liegt vielmehr an einem erbittert geführten innerstaatlichen Machtkampf, bei dem zwei Ethnien um die politische und wirtschaftliche Vorherrschaft streiten.

Eskaliert war der bereits zuvor schwelende Konflikt Ende 2013, als Präsident Salva Kiir, der zum Volk der Dinka gehört, Vizepräsident Riek Machar entließ.

Machar, ein Nuer, gründete daraufhin eine Rebellenorganisation. Im anschließenden Bürgerkrieg wurden Kleinstädte und Dörfer niedergebrannt und die Ernten in ganzen Regionen vernichtet. Sowohl Soldaten der Armee als auch Kämpfer der Rebellengruppen begingen Vergewaltigungen und töteten willkürlich Zivilisten.

Zehntausende Menschen starben, rund vier Millionen Bürger, etwa ein Drittel der Gesamtbevölkerung, wurden vertrieben. Ende 2018 wurde ein Friedensabkommen unterzeichnet. Machar soll nun erneut Vizepräsident unter Kiir werden. Ob die neue Vereinbarung hält, ist allerdings fraglich. So haben sich die beiden starken Männer des Südsudans in der Vergangenheit immer wieder als unverlässlich erwiesen und Abkommen wieder gebrochen.

Scheidung in EintrachtWährend 1992 in Jugoslawien die Ethnien aufeinander losgingen, demonstrierten die Tschechen und Slowaken, dass es auch ganz anders gehen kann. Weder die Bevölkerung auf der einen noch die auf der anderen Seite wollte eine Trennung. Der slowakische Wahlsieger des Jahres 1992, Vladimir Meciar, aber umso mehr.