1991 war die UdSSR am Ende, sie zerfiel in ihre Einzelstaaten. Manche dieser Republiken hatten den Weg in die Unabhängigkeit aktiv betrieben - etwa die baltischen Staaten oder die Ukraine, in denen es eine starke Nationalbewegung gab. Für andere wie etwa Weißrussland und auch manche zentralasiatischen Staaten war die neue Unabhängigkeit, die durch den unerwarteten, plötzlichen Zerfall entstand, ein eher überraschendes Faktum. Die Länder waren auf sich selbst zurückverwiesen, suchten wie nach dem Ersten Weltkrieg das Heil im Nationalstaat.

Mit der UdSSR zerbarst ein weltpolitisches Experiment, aber auch eine Wirtschafts- und Zollgemeinschaft. Das warf den Handel zurück und zwang viele Länder zur Umorientierung. Die kulturell westlich geprägten Staaten Osteuropas orientierten sich fortan an der Europäischen Union und an ihrem Versprechen von Wohlstand, Sicherheit und Zugehörigkeit zum westlichen Kulturkreis. In Moskau sorgt das für Irritationen und Verunsicherung.

Aber auch die EU ist, trotz vieler Gemeinsamkeiten, eine kulturell heterogene, übernationale, manchmal von Konflikten gebeutelte Struktur. Wenn sie ihr Wohlstandsversprechen nicht mehr einlösen kann, ist ihr Zerfall prinzipiell nicht auszuschließen.

Ein Volk, zwei Staaten

Von Wohlstand ist kaum jemand so weit entfernt wie Nordkoreas Bürger. Ganze 662 Dollar betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf 2016. Wenn in der Hauptstadt Pjöngjang die Lichter ausgehen, boomt das keine 200 Kilometer südlich gelegene Pendant Seoul. Der kapitalistische Nachbar hat einen rasanten Aufschwung genommen, das BIP pro Kopf lag im vergangenen Jahr beim 48-fachen Wert Nordkoreas. Der Süden brachte Weltkonzerne wie Samsung und Hyundai hervor und ist das erste Land, in dem der neue Mobilfunkstandard 5G zum Einsatz kommt. Im stalinistischen Norden funktioniert nicht einmal die Landwirtschaft, laut UN sind mehr als 40 Prozent der Bevölkerung auf Hilfsgüter angewiesen.

An der Weltspitze mischt Nordkorea nur bei den Militärausgaben mit. Das Atomwaffenprogramm sichert der Kim-Dynastie das politische Überleben. Und so trennt auch knapp 66 Jahre nach dem Ende des Korea-Krieges eine 248 Kilometer lange und vier Kilometer breite demilitarisierte Zone die beiden Bruderstaaten.

Eine seriöse Prognose, ob und wann die beiden Länder wiedervereinigt werden, gibt es nicht. Doch eine Hoffnung: Bereits der Zusammenbruch der DDR erwischte die meisten Experten auf dem falschen Fuß. Heuer begeht Deutschland den 30. Jahrestag des Mauerfalls. Immer noch ist von "neuen Bundesländern" die Rede, besteht Interesse am Osten vor allem, wenn es um braune Umtriebe in "Dunkeldeutschland" geht, und ist das wirtschaftliche Gefälle erschreckend groß. Würden die Koreaner auch die Erfahrung machen, dass nicht so schnell zusammenwächst, was zusammengehört?

Vereint auf dem Papier

In der Geschichte des Jemen hat es nie einen Einheitsstaat gegeben. Die Weltöffentlichkeit rieb sich also erstaunt die Augen, als sich am 22. Mai 1990 die seit den 1960er Jahren getrennten Jemenitische Arabische Republik im Norden und die Volksdemokratische Republik im Süden zur Republik Jemen zusammenschlossen.