Doch die Gründe sind plausibel. Der Südjemen war ein enger Verbündeter der ehemals sozialistischen Welthälfte - vor allem der Sowjetunion, der DDR und Kubas. Der Kollaps des Kommunismus 1989 führte dazu, dass dem Südjemen mit der Hauptstadt Aden die wichtigsten Partner, Absatzmärkte und Geldgeber wegbrachen. Bis heute sind im Jemen viele Russen zu finden.

Die Führung in Aden stand ab 1990 unter einem gewissen Zugzwang. Und da kam eben die Idee auf, sich mit dem Norden zu vereinigen. "Gemeinsam sind wir stark", lautete die Devise.

Dass das nicht gutgehen konnte, war von Anfang an klar. Der Norden und der Süden hatten sich in den vergangenen Jahrhunderten in völlig verschiedene Richtungen entwickelt. Die Arabische Republik rund um die Hauptstadt Sanaa war streng religiös-konservativ geprägt, mächtige Stammesführer hatten ein gewichtiges Wort mitzureden. In Sanaa residierte der machtbewusste Präsident Ali Abdullah Saleh. Im Süden galt unterdessen Verschleierungsverbot für Frauen, das arbeitende Proletariat war streiklustig, und es wurde sogar Bier gebraut und in Hülle und Fülle getrunken.

1994 kam es, wie es kommen musste: zum Bürgerkrieg, den der Norden gewann. Der Süden war jetzt nicht mehr gleichberechtigt, die Frauen laufen seitdem auch in Aden vollverschleiert herum. Alkohol ist strengstens verboten, wer sich berauschen will, muss zu Khat greifen. Einem Kraut, das gekaut und in der Backe verstaut wird. Die Mehrheit der Jemeniten im Süden hat sich nicht daran gewöhnen können, einem Hamster zu ähneln. Heute ist der Jemen offiziell immer noch ein Land. Es tobt allerdings schon wieder ein Bürgerkrieg, der das Land in einen Teil spaltet, in dem die schiitischen Houthi herrschen, und in einen anderen Teil, den die sunnitische Regierung kontrolliert, die von den Saudis unterstützt wird. Die Grenzen verlaufen frappanterweise oft dort, wo sie bis 1990 waren. Die Wissenschaft rätselt, warum genau. Alles in allem ist das von den Houthi heute kontrollierte Gebiet zwar etwas kleiner, aber doch dort, wo vor 30 Jahren der Nordjemen war.

Und die südjemenitische Befreiungsfront gibt wieder kräftige Lebenszeichen von sich. Es hat sich ein Übergangsrat gebildet, an der Schaffung weiterer politischer Institutionen wird gearbeitet. Der gebirgige Norden erscheint in Aden weiter weg denn je. Vereint auf dem Papier, getrennt in der Praxis - so ließe sich die Realität im Jemen umreißen.