Sollte eine Umfrage jenen Satz ans Licht bringen, den Menschen am meisten verabscheuen, ist das womöglich "Es ist aus." Das ist kurz, kalt und klar. Ohne Wischiwaschi der Sorte "Ich sag jetzt einmal" oder "quasi". Nein, die Sache ist aus und vorbei, so tot wie ein altes Handy, das ins Klo geplumpst ist.

Man muss nicht lang orakeln, warum den Menschen vor einer solchen Hiobsbotschaft graut, warum sich die Begleitumstände dieser Worte - Tageszeit, Raum, Tonfall - ins Gedächtnis fräsen. Das Ganze ist im besten Fall ein Debakel. Worüber man allerdings nachdenken kann: Warum die Trennungen von Prominenten solche Leselust, ja nahezu Begeisterung entfachen. Jeff Bezos ist wieder solo: Sensation! Helene Fischer hat Florian Silbereisen abgehängt: Wie, wann, warum?

Sicher: Der Stein, der einem anderen auf den Kopf fällt, hat immer auch einen gewissen Wert. Nämlich Nachrichtenwert. Bei VIP-Trennungen steigert sich dieses Kapital aber oft noch beträchtlich. Wenn die Gazetten auf der Liebestrauergeige fiedeln, schaltet sich gern auch der Leidtragende ein, schießt ein Instagram-Posting hinaus in die Welt. Das hilft nicht nur, die eigene Position zu stärken ("Mein Haus, ihre Schuld!"), es hält auch den Magnetismus um die eigene Person aufrecht. Und die Gazetten? Greifen gierig nach solchen Brocken, gilt es in der
Online-Hektomatikwelt doch, die Schlagzahl der eigenen Meldungen zu steigern. Also betet der Boulevard gern die Botschaften des Berühmten nach - und der wiederum fügt sich manchmal geschmeidig in ein vorgefertigtes Image.

Diese Klischees schrammen zwar oft an der Realität vorbei, bannen aber die Leserschaft. Wer in seinem eigenen Leben an alten Liebeswunden leidet ("Warum?"), freut sich, in den glatten Herzschmerz-Histörchen der Gazetten scheinbar alle Fragen beantwortet zu bekommen. Wobei der Boulevard eigentlich nur mit fünf, sechs Schemen arbeitet, in die er alle Fälle presst. Eine kleine Typologie.

Die gefallenen Paradiesvögel. Alle heiligen Zeiten tritt ein Paar in die Welt, das von der Presse wie der Messias verehrt wird. Ana Ivanović und Bastian Schweinsteiger sind so ein Fall. Als der Fußballer und die Tennisgrazie den Ehebund schlossen, brach sich die mediale Verzückung nicht nur im Tagestakt Bahn, sondern in fast schon investigativen Artikeln ("Damit hat sie Schweinis Herz gewonnen"). Was aber, wenn solche Paradiesvögel fallen? Ivanović-Schweinsteiger senden bis heute Fotos aus ihrem Glückshimmel an Follower. Brad Pitt und Angelina Jolie aber sind abgestürzt. Ein Weltuntergang nach Gazettenmaßstäben. Darf denn der Mensch trennen, was der Boulevard in einem knackigen Wort (Brangelina) verbunden hat? War die Ehe einer Angelina Jolie - engagiert für Frauenrechte, Krebspatienten, Entwicklungsländer - nicht über die Niederungen der Welt erhaben? Nach einer Zeit der Schockstarre lautet die banale Botschaft: Sieh an, auch sie sind nur Menschen. Dann darf das Rosenkrieg-Popcorn gewärmt werden.