Arbeitsforscher Clemens Zierler betont, dass Fluktuationsraten branchen- und unternehmensspezifisch sehr unterschiedlich seien. Es gebe durchaus auch Branchen und Unternehmen, in denen die Fluktuation quasi null sei. "Wer dort eine Lehre beginnt, geht auch in diesem Unternehmen in Pension", so Zierler.

Die Zugehörigkeit zu einer Generation habe weitaus geringeren Einfluss auf das Wechselverhalten von Arbeitnehmern als zum Beispiel die Lebensphase, in der sie sich aktuell befänden. Die Phasen des "Häuslich-Werdens", "Kinderkriegens" und damit auch der räumlichen und beruflichen Stabilität würden sich immer weiter nach hinten verschieben. Das beruhe auf neuen Werthaltungen, sich verändernden Geschlechterrollen und auf immer länger werdenden Bildungswegen. Das berufliche Wechselverhalten einer 40-jährigen Mutter eines 7-jährigen Kindes werde mit dem einer 25-jährigen Jung-Mutter eines 7-jährigen Kindes eher vergleichbar sein als mit einer 40-jährigen Frau ohne Kind, obwohl diese doch derselben Generation angehören würden.

Die Dynamik auf Österreichs Arbeitsmarkt zeigen die von der Statistik Austria erhobenen registerbasierten Erwerbsverläufe. Demnach wurden 2017 rund 1,7 Millionen unselbständige Beschäftigungsverhältnisse beendet. Dafür gibt es die unterschiedlichsten Gründe. 30,6 Prozent der beendeten Beschäftigungen führten in die Arbeitslosigkeit, 17,1 Prozent wieder in eine unselbständige Beschäftigung, 3 Prozent in eine selbständige Erwerbstätigkeit.

Laut Arbeitsmarktservice (AMS) gab es im vergangenen Jahr 512.000 Wechsel aus der Beschäftigung in die Arbeitslosigkeit. Rund 6,3 Prozent davon - 32.356 Personen - sind Menschen, die sich nach einer Selbstkündigung beim AMS arbeitslos gemeldet haben. Vor zehn Jahren wurden 533.000 Wechsel von einer Beschäftigung in die Arbeitslosigkeit registriert. 27.140 Personen (rund 5 Prozent) haben selber gekündigt und sich anschließend arbeitslos gemeldet.

Ungewollte Fluktuation tut weh, Mitarbeiter zu kündigen jedoch auch. Mitunter ist es unumgänglich, dass Unternehmen sich von Personal trennen müssen - eine unangenehme Aufgabe, vor der sich die meisten Chefitäten richtiggehend fürchten. Wird der Mitarbeiter beim Kündigungsgespräch in Tränen ausbrechen? Einen Wutanfall bekommen? Oder sich nichts anmerken lassen? So manche Führungskraft versucht, die Überbringung der Hiobsbotschaft an die Personalabteilung zu delegieren, die den Ball zurückspielt. "Keiner will es machen", sagt die Organisationsberaterin Karin Wurth.

In der US-Komödie "Up in the air" aus dem Jahr 2009 verkörpert George Clooney einen Unternehmensberater, der von Firmen engagiert wird, die nicht den Mumm dazu haben, ihre Angestellten selbst zu feuern. Clooney alias Bingham erklärt den soeben wegrationalisierten Angestellten durch die Blume und mit Zahnpastalächeln die positive Seite ihrer Kündigung. Frei nach dem Motto: Lassen Sie den Kopf nicht hängen, und machen Sie sich auf zu neuen Ufern. Eine zynische Haltung, die nicht für einen wertschätzenden Umgang des Unternehmens mit seinen Mitarbeitern spricht. Eine Kündigung ist für die meisten Betroffenen ohnehin schon ein Schock, vergleichbar mit einer Trennung oder Scheidung. Auch wenn sie es vielleicht schon geahnt haben", so Wurth. Dazu komme das Gefühl der Kränkung, wenn der direkte Vorgesetzte für das Kündigungsgespräch die Personalabteilung oder eine andere unbekannte Führungskraft vorschicke.