"Wut und Enttäuschung kommen später"

Dem direkten Vorgesetzten, der den Mitarbeiter vielleicht schon länger kennt, bleibt es also nicht erspart, die Nachricht selbst zu überbringen. "Es sollte zwei Gespräche geben", empfiehlt Wurth. Beim ersten sollte - ohne um den heißen Brei herumzureden -, die Botschaft ("Wir müssen uns von Ihnen/von dir trennen") schnell und klar ausgesprochen werden. Im zweiten Gespräch können dann Rückfragen des Betroffenen beantwortet und die weiteren, praktischen Schritte vereinbart werden.

Wurth ist auch Hospiz- und Trauerbegleiterin und weiß, dass Kündigungen ähnliche Emotionen auslösen können wie Scheidungen oder Todesfälle. "Die erste Phase ist die des Verdrängens und Verleugnens. Das ist auch eine Art Schutzmechanismus." Vor allem Männer über 45, für die eine Kündigung ein massiver Statusverlust bedeute, würden zunächst in Schockstarre verfallen. "Die Leute wirken manchmal ganz vernünftig, doch das ist tückisch. Die Wut und die Enttäuschung kommen später." Es gehöre zu den Kompetenzen einer guten Führungskraft, damit umgehen zu können. Nicht hilfreich sei Mitleid. Daher, so Karin Wurth: "Nicht mitweinen. Das ist für den Betroffenen ganz schlimm."

Später sollte über das eigentliche Ende geredet werden. Die letzten Tage, die ein Mitarbeiter in seiner Firma verbringt, sollten nicht negativ besetzt sein. "Wichtig ist, dass man ein gutes Ende findet", betont Wurth.