Machtrausch und Blutregen: v. l.: Christiane von Poelnitz, Ole Lagerpusch, Merlin Sandmeyer aus der jüngsten "Macbeth"-Inszenierung am Burgtheater. - © Reinhard Werner
Machtrausch und Blutregen: v. l.: Christiane von Poelnitz, Ole Lagerpusch, Merlin Sandmeyer aus der jüngsten "Macbeth"-Inszenierung am Burgtheater. - © Reinhard Werner

Er ist der erfolgreichste Autor Norwegens und zählt zu den renommiertesten und erfolgreichsten Krimiautoren weltweit. Die Hollywood-Verfilmung seines Romans "Der Schneemann" produzierte Martin Scorsese. Die Filmrechte an "Blood on Snow. Der Auftrag" sicherte sich Leonardo di Caprio. Jetzt erzählt der unumstrittene König des skandinavischen Kriminalromans Jo Nesbø Shakespeares "Macbeth" neu.

Das blutrünstige Stück um einen Königsmord, ein großes Sittengemälde mit prägnanten Charakteren, mutiert bei dem studierten Ökonom, Ex-Profi-Fußballer und Musiker aus Oslo zum Gangster- und Polizeidrama in einer düsteren, von Korruption, Arbeitslosigkeit und Drogen geschüttelten Stadt, irgendwo weit oben im Norden. Was der große englische Literat skizzierte, malt der Norweger kongenial mit großem Ideenreichtum aus.

Die "Wiener Zeitung" traf den 58-Jährigen bei den Münchner Büchertagen und blickte mit ihm zwischen Weihnachtsglitter und Engelshaar in die Abgründe seiner Shakespeare-Version.

Autor Jo Nesbø. - © Thron Ullberg
Autor Jo Nesbø. - © Thron Ullberg

"Wiener Zeitung":Das "Hogarth Shakespeare Project" bat Sie und andere namhafte Autoren, Stücke des Dramatikers auszuwählen und neu zu erzählen. Warum entschieden Sie sich für "Macbeth"?

Jo Nesbø: Macbeth ist mein Lieblingsstück von Shakespeare. Mir war ziemlich schnell klar, was ich damit für eine Geschichte erzählen möchte. Außerdem hatte ich Macbeth schon im Hinterkopf, als ich meinen melancholischen Kommissar Harry Hole erfand. Er ähnelt vielen modernen Charakteren, etwa denen der Serie "Breaking Bad", "Scarface" oder "Der Pate". Der Protagonist fängt als Good Guy an. Die Story treibt ihn vor sich her. Und er entwickelt sich zum Bösen, wie bei Macbeth.

Wo sehen Sie Macbeths Tragik?

Für mich besteht die Tragödie nicht allein im Königsmord, sondern vielmehr in der Wandlung Macbeths. Shakespeare siedelt den Konflikt im Menschen an. Dabei schafft er es, dass seine Figuren, selbst dann noch menschlich anrühren, wenn sie zum Bösen neigen. Macbeth fesselt wegen seiner Komplexität.

Wie sind Sie mit der Sprache Shakespeares umgegangen?

Ich habe alles weggelassen. Denn Shakespeare ist Shakespeare. Das kann niemand imitieren. Mein Plan war, die reale Sprache zu benutzen, die ich in meinen Harry-Hole-Romanen verwende. Aber das Problem war, dass in den einzelnen Szenen so viel über dramatische Dialoge und Monologe passiert, da kannst du nicht allein mit der Alltagssprache hantieren.

Was haben Sie also gemacht?