"There's magic in the web of it", ließ Shakespeare den eifersüchtigen Othello zu seiner angebeteten Desdemona sagen. Auch wenn das "web" eigentlich ein Taschentuch bezeichnet hatte: das Zitat ist nach wie vor aktuell - sofern man erlaubt, es in die Gegenwart zu übertragen. Denn magische Anziehungskraft hat das Web auch dann, wenn es um den großen Barden geht.

Rund 129 Millionen Einträge spuckt google.co.uk bei dem Stichwort "Shakespeare" aus. Darunter finden sich zahlreiche Websites, die sich mit unterschiedlicher Hingabe und mit unterschiedlichem Ausmaß dem großen Dramatiker widmen. Ihre Bandbreite reicht von der bloßen Wiedergabe der Dramen, Lebenslauf oder Bühnenaufführungen  über interaktive Plattformen bis zu Open Source Projekten für Forschung, Studium, Schule oder einfach für das private Vergnügen.

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Medientransfer

Bei vielen Websites geht es vor allem darum,  die mehr als 400 Jahre alten Texte in ein vergleichsweise junges Medium zu verpacken. Dies geschieht vor allem durch interaktive Werkzeuge für Anmerkungen und Textanalysen oder sie indem Textsuche verbessert und erweitert werden. Vor allem die Open Source Projekte versprechen bei Shakespeare als Hypertext einiges - und halten vieles.

Open Source mit akademischen Anspruch

Als literaturtechnologisches Experiment bezeichnet sich das Projekt Open Source Shakespeare. Es  hat einen streng wissenschaftlichen Anspruch, sie basiert auf einer Masterarbeit. Dementsprechend funktional sind ihre Seiten gestaltet, mit Konkordanz-Listen (alphabetisch geordnete Listen der wichtigsten Wörter und Phrasen, die in Shakespeares Werken vorkommen), Suchfunktionen für Charaktere, Stichwörtern, einschließlich von Sonetten und Gedichte von Shakespeare. Die Seite testet und optimiert Suchabfragen und lädt ebenfalls zum Mitmachen ein. Leider trübt das doch sehr eintönige Design die Freude an der Fülle an Informationen und Suchmöglichkeiten.

Von den Websites ohne Anspruch auf aktive Teilhabe ragen vor allem das Projekt Gutenbergmit allen Werken und einiger Sekundärliteratur sowie das Project Bartlebyheraus. Letzteres beinhaltet die 1914 erschienene Oxford Edition of the Complete Works of William Shakespeare. Als Zuckerl gibt es auf dieser Website zu jeden Stück, das man aufruft, ein Zitat daraus.

Quarto und Folio-Ausgaben (zum Beispiel sieben verschiedene Versionen von Hamlet von Quarto über Folio bis hin zu unterschiedliche moderne Versionen) kann man sich wiederum auf der liebevoll und sehr benutzerfreundlichen kanadische Seite Internet Shakespeare Editions zu Gemüte führen. Sie ist zugleich die umfangreichste und übersichtlichste Seite im englischsprachigen Raum, und ist auf Shakespeare Aufführungen auf Bühne, Leinwand und Bildschirmen beschäftigt. Neben der umfangreichen Datenbank dazu sind ebenso Programmhefte zu den Inszenierungen abrufbar, wie der Fund Romeo und Julia aus dem Jahr 2007 unter derRegie von Sebastian Hartmann zeigt.

Verknüpfungen ermöglichen es außerdem, dass man alle Illustrationen zu  einem Stück auf einen Blick zu sehen, darunter Fotografien, Gemälde, Filmstills, Programmhefte,  Flyer und  auch Hörproben (siehe Bildergalerie).  Außerdem können  Shakespeare und Theater Fans auf dieser Seite einer eigenen Unterseiteselbst ihre Kritiken online stellen. Ein Shakespeare.-Kalender zeigt außerdem alle aktuellen Aufführungen weltweit. Doch Vorsicht: hat einen diese Seite einmal in ihren Bann gezogen, ist man einmal gefangen, entkommt man seinem "Netz" nicht so schnell wieder heraus.

Will man Shakespeare-Forschung live verfolgen, so ist man bei delightedbeauty.org richtig: Das Projekt widmet sich in Echtzeit verschiedenen Übersetzungen und Übersetzungsmöglichkeiten von Othello.

Rund um Shakespeare  wiederum bietet absoluteshakespeare.comeine übersichtlich und einfach gestaltete Website, die alle Texten bereithält uns sich auch mit Fragen der Autorenschaft, Einflüsse beschäftigt. Sie zeigt ferner Bilder zu verschiedenen Stücken und hat eine Liste mit allen Verfilmungen.

Das ForschungsprojektShakespeare's World des Englisch Institut der Emory University ist eine "work in progress", die vor allem historische Gemälde von Shakespeare-Darstellern bis ins 19 Jahrhundert, sowie das Verhältnis zwischen Maler, Stück und Schauspielern und die Rezeptionsgeschichte darstellt.

Didaktisch aufbereitete und für den Unterricht eignet sich wiederum shakespeare-online.com. So erfährt man hier mehr über die Schauspieler zu Lebzeiten Shakespeares und über seine Freunde und Weggefährten, darunter der Schauspieler Richard Burbage, dem ein Porträt gewidmet ist.

"Cacodemon"

Die Website openshakespeare.org wiederum führt auf mehreren Ebenen Text und Technologie zusammen. In der Rubrik "Wörter des Tages" werden – wenngleich in nur sehr unregelmäßigen Abständen – zum Beispiel ausgewählte Ausdrücke von A wie Alabaster bis Z wie Zany (ein Harlekin) erklärt und in Zusammenhang mit Shakespeares Stücken erläutert. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, wie oft Shakespeare ein Wort verwendet hatte, sondern vielmehr auf die Exotik, wie das Schimpfwort  "Cacodemon" zeigt. Shakespeare hatte es nur einmal verwendet hatte, nämlich in seinem Historiendrama Richard III. Leider wird die Website zurzeit umgebaut und ist nur begrenzt nutzbar.

Freunde der Statistik wiederum können - sobald die Seite wieder online ist - mit einem speziellen Zählmodul der Website auf ihre Rechnung kommen. Dieses gib an, wie oft welches Wort in welchem Stück verwendet wurde. Das Resultat wird in einer übersichtlichen Statistik dargestellt.  Ein Beispiel daraus:  in der Gutenberg Ausgabe von Othello ist das häufigste Wort – wenig überraschend das Personalpronomen  "I", das 900 mal vorkommt; gefolgt von dem Bindewort "and" mit 797. Der Name "Othello" wiederum ist im Text 335 Mal zu finden, Iago indessen 26 Mal öfter, nämlich 361 Mal. Außerdem stellt die Seite verschiedene Versionen der Werke bereit, zum Beispiel die Gutenberg-Ausgabe oder die des Globe-Theaters.

Fazit: Es steckt bei Shakespeare im Netz nicht nur viel Magie, sondern man braucht auch sehr viel Zeit dafür.

Ausgewählte Links

•    Project Bartleby- Die Website sammelt alle Theaterstücke der 1914 erschienenen Oxford Edition "Complete Works of William Shakespeare".
•    Internet Shakespeare Editions - Umfangreiche Website über Werk, Leben und Umfeld des Barden.
•    The IPL Shakespeare Bookshelf - Interaktives Bücherregal.
•    Open Source Shakespeare - Literaturtechnische Abschlussarbeit, mit allen Texten, einer umfangreichem Suchmaschine und Konkordanztool.
•    Open Shakespeare- Shakespeare Web 2.0 mit Möglichkeiten zur Mitarbeit.
•  Absolute Shakespeare - Übersichtliche Seite mit allen Werken sowie Hintergrundinformationen über Leben, Werk, Geschichte und Einfluss. Für Studierende und Schüler
•    Folger Shakespeare Libary- Für Studierende und Schüler
•    Shakespeare Birthplace Trust - Informationen über Stratford-on-Avon und Shakespeare.
•    Playing Shakespeare - Interaktive Website über die Dramen Macbeth, Romeo and Juliet sowie Much Ado About Nothing mit Schauspieler- Kommentare des Globe Theaters.
•    Shakespeare's World- Projekt der Emory Universität mit Illustrationen aus dem 19. Jahrhundert zu Stücken Shakespeares.
•    No Sweat Shakespeare - Shakespeare-Seite vor allem für Schüler und Jugendliche.
•    Shakespeare Online- Didaktisch aufbereitete Seite für den Unterricht,
•    Royal Shakespeare Company - Aufführungstermine und Archivmaterial des Theaterensembles.
•    Mr William Shakespeare and the Internet - Shakespeare und die Renaissance.