Noch immer riecht es hier nach Blut: Macbeth (Dietmar König) und seine Lady (Alexandra Henkel). - © barbara pálffy
Noch immer riecht es hier nach Blut: Macbeth (Dietmar König) und seine Lady (Alexandra Henkel). - © barbara pálffy

Die Honoratiorenreden vor der Premiere der Sommerspiele in Perchtoldsdorf machten es schon deutlich: Die Burg ist hier der Hauptdarsteller. Zu Recht: Diese Burg kann schon was - der Schauer-Faktor steigt vor allem deutlich, wenn ein fast voller Mond aufgeht. Und der Schauer-Faktor spielt gerade bei "Macbeth" keine unerhebliche Rolle.

Intendantin Barbara Bissmeier hat sich für die Sommerspiele Perchtoldsdorf vorgenommen, die leichte Kost außen vor zu lassen. Shakespeares "Macbeth" ist auch nicht, was man sich normalerweise an einem lauen Sommerabend zumuten würde. Vielleicht beginnt die Inszenierung von Hakon Hirzenberger deshalb nachgerade komödiantisch. Da spritzt das Blut fast tschaunerisch aus dem Armstummel. In der Tonart geht es aber nicht weiter, der Regisseur hat die berühmte Tragödie um den unaufhaltsamen Lauf der Grausamkeit nicht verblödelt - jedenfalls nicht absichtlich.

Punkig im Schottenrock

Da hilft aber auch ein ausgezeichnetes Ensemble, angeführt von Dietmar König in der Titelrolle. Sein Macbeth ist kein Rasender, sondern ein subtil an seiner Schuld Verzweifelnder, der CSI-geübt die Türklinke vom Blut des eben ermordeten Königs befreit und auch den lakonischen Kommentar beherrscht. Alexandra Henkel gibt eine Lady Macbeth in mädchenhaftem Wahnsinn, wirkt aber als Verführerin zum Bösen etwas zu läppisch. Sven Sorrings zurückgenommener Banquo hat auch den einen oder anderen Hooligan-Moment, Stefano Bernardin spielt den Macduff solide, wenn auch bei der Nachricht der Ermordung seiner Familie vielleicht zu outriert. Nicht beneidet wurden die Schauspieler vom Premierenpublikum um ihre Kostüme, für die gar viele Füchslein ihr Leben lassen mussten. Die Schottenrockvariation à la Gaultier gab der Inszenierung eine punkige Optik. Weniger fortschrittlich hingegen die Lichteffekte auf der Burgmauer - wer so einen schönen Mond hat, kann auf altbackene Hexenkrallen-Projektionen getrost verzichten.Ein massiver Fremdkörper war der Mord an Macduffs Familie, die als Puppenspiel gestaltet wird. Das Bühnenbild am Rindenmulchhügel von Erich Uiberlacker wiederum macht das Effektivste aus dem prominenten Hintergrund - und das ist, wie gesagt, die Burg.

Theater
Macbeth
Sommerspiele Perchtoldsdorf
Wh. bis 28. Juli