Zum zweiten Mal gastierte das Globe Theater am Wochenende bei der Art Carnuntum. Nach einem beschwingten "As You Like It" war mit "Hamlet" diesmal schwerere Kost angesagt. Doch schon der musikalische Auftakt - ein rauer Folksong, zu dem ausgelassen getanzt wurde - ließ ahnen, dass bei dieser Aufführung des Rachedramas auch die Komik nicht zu kurz kommen würde. Entsprechend der vom Globe hochgehaltenen Tradition des Wandertheaters müssen die acht Darsteller bis zu fünf verschiedene Charaktere besetzen, wobei vor allem Peter Bray (als endlich einmal nicht gestrichener Fortinbras) mit enormer Wandelbarkeit beeindruckt. Einzig Michael Benz als ohnehin mit eigenen Rollenspielen beschäftigter Hamlet blieb seiner Rolle treu, was ihn zum Gravitationszentrum dieser packenden Inszenierung zu machen scheint. Er meistert den schwierigen Part bravourös, voll jugendlichem Elan und mit dichter Präsenz, ihm zur Seite Carlyss Peer als Herzlichkeit und Temperament ausstrahlende Ophelia. Das mag ungewohnt scheinen, doch steht es keineswegs im Widerspruch zum Text.

Dickon Tyrell ist ein sympathischer Claudius, der in englischer Gutsherren-Art - die grauen Flanell-Hosen in derbe Stiefel gesteckt - über die Bühne stapft und überzeugend den Brudermord bereut. Im minimalen Bühnenbild und bei den Kostümen gab man sich very british, wohl wissend, dass die Fans das lieben. Dafür nahm das Publikum das kalte Wetter mit britischer Gelassenheit hin (wobei sich die erst vor wenigen Tagen errichtete Überdachung des Amphitheaters als wahrer Segen erwies!).

Fotostrecke 13 Bilder